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Brief von Max Bruch an Ernst RudorffMusikwissenschaftliches Institut KölnMax-Bruch-ArchivSignatur: Br. Korr. 154, 656

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Brief von Max Bruch an Ernst RudorffMusikwissenschaftliches Institut Köln ; Max-Bruch-Archiv

Signatur: Br. Korr. 154, 656


Bruch, Max (1838-1920) [Verfasser],Rudorff, Ernst (1840-1916) [Adressat]

26.12.1907. - 8 Seiten, Deutsch. - Brief

Inhaltsangabe: MB bei Geh.Rath. Schmidt – Ministerium hat Antrag des Senats vom 19.08.2007 Hausmann als Leiter der Instrumentalabteilung in der Nachfolge Joachim nur vorläufig abgelehnt. / Wer soll Chor-Aufführungen mit Orchester dirigieren? – MB bringt sich ins Spiel / Intervention gegen Bestellung eines Hochschul-Direktors. / Hofft auf ER bei der nächsten Akademiewahl am 18.01.1908 – gegen Richard Strauss.Transkription: Mein lieber Freund, Weihnachten ist nun vorüber; hoffentlich warst Du mit den Deinigen glücklich beim hellen Schein des Christbaums. Bei uns war alles dunkel – kein Baum – keine Weihnachtsstimmung; wie hätte sie auch kommen können bei den Gedanken an das arme Kind im Irrenhause, dessen Schicksal noch immer ganz ungewiß ist! – Ich habe Dir Mancherlei zu berichten. Kürzlich war ich eine halbe Stunde bei Geh. Rath Schmidt, in Senats-Angelegenheiten. Natürlich kam auch die Rede auf die H.Sch. und ich nahm kein Blatt vor den Mund. Als ich zunächst mein Bedauern darüber aussprach, daß das Ministerium unsern Antrag vom 19.Aug.d.J., betreff aus Hausmann’s Berufung an die Spitze der Abtheilung, abgelehnt habe, sagte er, die Sache sei keineswegs definitiv abgelehnt, sondern sie werde noch erwogen etc. etc. Es sei ja alles interimistisch, und ich könne mir ja wohl denken, wie schwer es dem Ministerium werde, allen möglichen und unmögl. Anforderungen, Rathschlägen etc. gegenüber die rechten Entschließungen zu fassen. – Nun bat ich um Erlaubniß, eine wichtige Sache zu seiner Kenntniß bringen zu dürfen, und zeigte ihm:1) den Auszug aus dem so. Protocoll vom 19. Aug. d. J. worin Ad. Schulze beim Minist. beantragte, die Direction der Chor-Auff. mit Orchester möge dem Vorsteher der Ges. Abth. vorbehalten bleiben; 2) sagte ich Schmidt, in der Sitzung des Senats vom 27. Novbr. d. J. habe Ad. Schulze, als die Rede auf diese Dinge kam, ausdrücklich gesagt: er habe ja nie in seinem Leben Orchester dirigirt und könne doch in seinem 73. Jahr unmöglich damit anfangen. Ich fügte hinzu, der ganze Senat habe diese Äußerung gehört, und constatirte den unlösbaren Widerspruch zwischen Schulze’s amtlichen Antrag vom 19. August und seiner Äußerung vom 27/11 d. J. Ich sagte, ich fühlte mich verpflichtet, dies zur Kenntniß des Ministeriums zu bringen; es sei ganz klar, daß Schulze, selbst gänzlich unbekannt mit orchestralen Dingen, darauf ausgehe, s. Schwiegersohn Stange einzuschieben, - (zuerst als s. Vertreter, dann definitiv) der aber auch nicht der Rechte sei!Dies alles machte dann doch dem Geh. Rath. Sch. einen gewaltigen Eindruck und er meinter, unter diesen Umständen möchte ich doch bis auf weiteres die Leitung der Chor-Aufführungen mit Orchester übernehmen; ich sei ja ohnehin schon Joachims Nachfolger bei den Auff. der Akad. d. K., und dies sei doch die beste und natürlichste Lösung. Ich erklärte, ich sei einstweilen dazu bereit, fragte aber wie ich die Sachen Schulze gegenüber behandeln solle? Darauf ermächtigte er mich, vorkommenden Falls, d. h. sobald es sich einmal um eine derartige AUff. handeln sollte, dem Directorium zu sagen, „das Ministerium behalte sich die Bestimmung des Dirigenten dieser Aufführungen vor; das Directorium möge also beim Minister anfragen.“ Geschieht das, so wird deann höchst wahrscheinlich der Minister mich ersuchen! – So liegt diese abscheuliche Angeleg. jetzt. Ad. Schulze hat sich z. I. Mal eine sehr starke Blöße gegeben – ich habe sie benutzt, und glaube im Interesse der Schule gehandelt zu haben! – Was Marteau betrifft, so wollte Sch. noch immer nicht mit der Sprache heraus; er versicherte mit großem empressement: „Er möchte mir ja so gern viel, ja alles sagen, denn er habe eine ganz besondere Hochschätzung für mich“ – (sehr verbunden – tief gerührt!!) – „aber auch diese Sache befinde sich noch immer im Stadium amtlicher Erwägung“ etc. etc. Es scheint mir, die amtl. Erwägungen ziehen sich in infinitum hin – und uns gegenüber treibt man nach wie vor, trotz aller „Hochschätzung“ dieselbe Geheimnißkrämerei! – Kürzlich war auch mein alter Freund, der Reg. Präsident Dr. Kruse aus Minden 8 Tage hier, wohnte bei dem Unterstaatssecretär Wewer, aß beim Minister, und hat Beiden viel über unsere H.Sch. Sache gesprochen. Da Kruse von mir sehr genau instruirt war, so hat er sich gegen die Ernennung eines „Directors“ ausgesprochen; und vor s. Abreise sagte er mir: „er habe den bestimmten Eindruck gehabt, daß das Ministerium das Suchen nach einem „Director“ jetzt aufgegeben habe.“ – So stand es vor ca. 14 Tagen; aber wer kann wissen, wie sie heute denken!! – Am 3. Januar reise ich nach Köln , und kehre am 10/1 Abends zurück. Am 11/1 haben wir die Vorbesprechung in der Akademie, und am 18/1 finden die Wahlen statt. Gebe Gott, daß Du dann gesund genug bist zu kommen und gegen R. Strauss zu stimmen, der sicher wieder von ein paar Narren vorgeschlagen wird. Wenn wir nicht Alle da sind, so können die Andern leicht siegen - denn es wird sich diesmal um jede Stimme handeln! – Herzlichst Dein getr. M. Bruch.

Bemerkung: Max Bruch

Objekteigenschaften: Handschrift

Pfad: Max-Bruch-Archiv / Korrespondenz

DE-611-HS-4312582, http://kalliope-verbund.info/DE-611-HS-4312582

Erfassung: 14. Januar 2026 ; Modifikation: 14. Januar 2026 ; Synchronisierungsdatum: 2026-01-14T15:09:01+01:00