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Brief von Max Bruch an Ernst RudorffMusikwissenschaftliches Institut KölnMax-Bruch-ArchivSignatur: Br. Korr. 154, 635

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Brief von Max Bruch an Ernst RudorffMusikwissenschaftliches Institut Köln ; Max-Bruch-Archiv

Signatur: Br. Korr. 154, 635


Bruch, Max (1838-1920) [Verfasser],Rudorff, Ernst (1840-1916) [Adressat]

05.10.1907. - 3 Seiten, Deutsch. - Brief

Inhaltsangabe: Konflikt zwischen Adolf Schulze und Hausmann, MB sieht in der Hochschule keine personelle Lösung durch die unterschiedlichen Anforderungen und Erfahrungen von Chor – und Orchesterdirigenten für gemeinsame Aufführungen / MB als Vizepräsident der Akademie gewählt, Gernsheim als Jude kam dafür nicht in Frage (!) Transkription: M. L. Kaum haben sich die Wetterwolken auf der einen Seite verzogen, so sehe ich schon von der anderen Seite wieder ein neues Gewitter heranziehen – einen Conflict zwischen Ad. Schulze und Hausmann, in dem wir uns m. E. nicht unbedingt auf Hausmanns Seite stellen können. Hausm. sagte mir vor einigen Tagen, Er wolle wohl die Leitung der sogen. großen Orch. Stunde, 2 mal wöchentlich, übernehmen, müsse aber dann darauf bestehen, daß er auch alle Aufführungen dirigire, - auch die Chor-Auff. mit Orchester. Letzteres will nun Schulze (wie mir gestern Blankenberg sagte) durchaus nicht, sondern seine Absicht scheint zu sein, alle Chor.Auff. m. Orchester Stange zu übertragen. Hausmann wird diese Concession nicht machen wollen, und ich sehe es kommen, daß er sich dann weigern wird, die Leitung der Orch. Stunde zu übernehmen. Diese Sache wird ohne Zweifel in unserer Sitzung Mittwoch dem 9. Oct. (nach Vergleichung der Schülerlisten) zur Sprache kommen, und wir müssen dann Stellung dazu nehmen. Objectiv betrachtet, stellt sich mir diese Angeleg. so dar: Hausmann ist mit dem Orchester vertraut, mit dem Chorwesen aber gar nicht.er hat nie große, vereinigte Chor- und Orch.-Massen dirigirt, und irrt sich, wenn er glaubt, das ginge so von selbst. Andererseits kennt Stange, Schulze’s Geschöpf, zwar das Chorwesen recht gut, und hat auch Vereine dirigirt; dagegen fehlt ihm nun wieder alle und jede Orchester-Praxis (ebenso wie sie, beiläufig gesagt, Herrn Felix Schmidt fehlt, über den stets das ganze Orchester räsonnirt, und mit Recht!), und außerdem sind bei ihm starke Mißgriffe in der Auffassung ebensowenig ausgeschlossen, wie z. B. bei S. Ochs. Anfangs Juni d.J., als Joachim erkrankte, hat Stange (von Schulze schleunigst eingeschoben) eine Ensemble-Probe von Elias dirigirt, und die tempi an vielen Stellen derart vergriffen, daß sein Schwiegervater selbst mir sein Mißfallen darüber aussprach; „Stange müsse doch lernen sich zu mäßigen“ etc. etc. Das waren aber nur Phrasen; in Wirklichkeit wurde Stange beim Anblick der Massen unruhig, stand nicht darüber, verlor den Kopf, und machte allerlei Unsinn. Wäre ich nun 10 Jahre jünger, so könnte ich „trancher la question“ und erklären, ich wole die Leitung der Chor-u. Orch. Ensemble-Aufführungen übernehmen, und ich denke, mir würden sie wohl Beide weichen. Aber ich bin alt, und mein Arzt hat mich noch gestern eindringlich vor jeder Mehrbelastung gewarnt. Ja, es wäre ihm bei weitem das Liebste, wenn ich wenigstens die Hochschule aufgeben wollte. Als ob ich das könnte! – Also ich könnte nur viell. Gelegentlich einmal aushelfen, und die eigentliche Streitfrage bliebe bestehen. – Du siehst ein, mein Bester, daß ich vor Mittwoch d. 9/10 Deine Meinung wissen muß; auch wäre es gut, wenn Du abermals Barth instruiren wolltest. Wenn Schulze gegen Hausmann als Chor-Dirigenten spricht, so können wir ihm nicht Unrecht geben. Hausmann, der brave und treffliche Mensch, traut sich merkwürdiger Weise in dieser Hinsicht viel zu viel zu – ist aber dabei, wie ich gemerkt habe, hartnäckig und verbohrt – und nicht geneigt, Schulze irgend eine Concession zu machen. Und da soll man nun vermitteln! – Ein höchst erfreulicher Lichtstrahl in all‘ diesen Finsternissen ist der schöne Sieg Deines Sohnes im Examen. Ich habe ihm soeben geschrieben und ihm sehr aufrichtig gratulirt. – Die bildenden Künstler haben mir nicht den Gefallen gethan mich durchfallen zu lassen, sondern mich gestern auf Grund des Vorschlags der mus. Section einstimmig gewählt. Also auch das noch! Immer wieder wird eine starke Pression auf mich ausgeübt; es heißt: „Sie müssen es thun – wir haben keinen Andern!“ Wäre Gernsh. ein anderer Mensch, und nicht Jude, so lägen diese Dinge günstiger; aber so .... ! Eilig Dein getr. M. Bruch.

Bemerkung: Max BruchHermann Rudorff (Staats?-)Examen

Objekteigenschaften: Handschrift

Pfad: Max-Bruch-Archiv / Korrespondenz

DE-611-HS-4312107, http://kalliope-verbund.info/DE-611-HS-4312107

Erfassung: 12. Januar 2026 ; Modifikation: 12. Januar 2026 ; Synchronisierungsdatum: 2026-01-12T13:57:36+01:00