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Brief von Max Bruch an Ernst RudorffMusikwissenschaftliches Institut KölnMax-Bruch-ArchivSignatur: Br. Korr. 154, 632

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Brief von Max Bruch an Ernst RudorffMusikwissenschaftliches Institut Köln ; Max-Bruch-Archiv

Signatur: Br. Korr. 154, 632


Bruch, Max (1838-1920) [Verfasser],Rudorff, Ernst (1840-1916) [Adressat]

01.10.1907. - 12 Seiten, Deutsch. - Brief

Inhaltsangabe: Trauerfeier fix am 3.11., der preußische Hof ist desinteressiert. / Marteau / JJ Nachruf von Altmann und Rede von MB M. L. Vor Paris giebt’s heute allerlei Neues, und sogar Gutes. 1) Trauerfeier fix am 3.11. über Schulze: „Ich will nun nicht weiter über die Tücken und Schlichen dieses hinterhältigen Schulmeisters nachdenken, sondern mich freuen, daß er schließlich das gethan hat, was wir wollten. Ich nehme nunmehr natürlich die Leitung der Feier wieder an mich. Wie er mit dem Chor fertig wird, ist seine Sache. – Der Hof will also offenbar von der ganzen Sache gar keine Notiz nehmen; ich finde das ganz natürlich, denn Joachim hat gar keine Hohenzollern-Concerte geschrieben und keine Hohenzollern-Bilder gemalt und keine Hohenzollern-Denkmäler gemeißelt. Also wozu sich noch um ihn kümmern? 2) Marteau: Nachdem Moser bisher nicht antwortete „(was ich höchst unpassend, verletzend und unanständig finde)“, fragte MB bei Hans Simrock als Marteaus Verleger nach, der nichts weiß. Von Dr. Altmann (als Herausgeber der Brahms-Briefe mit MB in Kontakt) erfährt MB allerdings, auch dessen Quelle - Moser: Im August, in Thüringen, hatte ihm ein ‚Berliner Musiker‘ (den er aber nicht nennen wollte) von der Sache erzählt. Danach haben schon einiger Zeit zwischen Joachim u. Moser einerseits und Marteau andererseits, mit Billigung des Ministeriums, private Verhandlungen geschwebt, die aber nicht zum Ziel Ziel führten, weil M., als französischer Reserve-Officier, aus nationalen und politischen Gründen ablehnte. (Diese ganzen Verhandlungen haben also, wohlgemerkt, ganz im Geheimen, ohne Wissen u. hinter dem Rücken des Directoriums stattgefunden, obgleich es sich um eine allgemeine Angelegenheit der Schule von höchster Bedeutung handelte!!!) ... Joachims Behandlung dieser Sache hat mich, ich muß es ganz offen sagen, tief gekränkt. Wir glaubten seine Freunde zu sein und sein Vertrauen zu besitzen; und nun stellt sich auf einmal heraus, daß er in einer so wichtigen Sache uns, seinen Freunden und Specialkollegen, gänzlich ignorirt und einen untergeordneten Lehrer und schlechten Spieler, wie Moser, zu seinem Vertrauten gemacht hat. Das Ministerium hat ohne Zweifel von diesen Verhandlungen gewußt, (in diesem Sinne hat sich auch Moser im August gegen Felix Schmidt geäußert), aber ich habe bis jetzt keinen Grund zu glauben, daß directe, officielle Verhandl. zwischen dem Minsit. und H. M. geschwebt haben. Jedenfalls war der Letztere von einem durchaus richtigen Gefühl geleitet, als er sich sagte, daß im Directorium der ersten Deutschen Anstalt kein Platz für einen französ. Reserve-Off. sei, und daher ablehnte! ... Als ich die Nummer der ‚Musik‘ dabhalten wollte, entzog Altmann sie mir mit einer gewissen Aengstlichkeit u. sagte, ich möchte doch den Aufsatz über Joachim lieber nicht lesen, ich würde doch wohl an Manchem Anstoß nehmen – denn er habe Joach. nicht durchweg gelobt, und gerade dafür habe er schon viele Anerkennungsschreiben erhalten (!!) Das mag was Schönes sein! Echt Deutsch, erbärmlich, ekelhaft, kleinlich: Kaum liegt ein großer Mann unter dem Rasen, so fallen die Kleinen schon über ihn her! Ich sagte Altmann, meine Rede am 3/11 werde aus einer anderen Tonart gehen! – Treulichst dein Max Bruch PS. Gewiß wird man über mich herfallen und meine Rede als „Lobhudelei“ charkterisieren. Aber ich stehe am 3. Novbr. nicht da um ein Todtengericht abzuhalten und menschliche Schwächen hervorzuheben, die Joach. mit vielen Andern theilte, - sondern ich stehe da, um seine vielen großen Eigenschaften in’s hellste Licht zu setzen und Allen, Freunden und Feinden, noch einmal klar zu machen, wer er war, und daß er so hoch über ihnen Allen stand wie der Kölner Dom über einem Maulwurfshügel. Gegenüber aller Gemeinheit und Erbärmlichkeit möchte man eigentlich in der Rede seinen Widersachern ganz andere Nackenschläge versetzen, als es geschieht. Immerhin halte ich den betreff. Absatz jetzt, nach Deiner ausgezeichneten Aenderung, für sehr gut - denn in vornehmster Form werden doch der ganzen Bande die stärksten Ohrfeigen versetzt. Nur einen ganz kleinen, aber wichtigen Zusatz wünschte ich noch. Es heißt: ... „Joach. war groß und einsichtig genug, um --- schöpferische Kraft ---- zu erkennen und zu würdigen – auch da, wo er vielleicht im Einzelnen nicht zustimmen konnte oder sogar den eingeschlagenen Weg im Ganzen für bedenklich halten mußte. / Entschieden ablehnend stand er nur solchen Tendenzen gegenüber, die aus völliger Verkennung des Wesens etc .--- der organ. Musik hervorgingen.“ Hier möchte ich einen Augenblick aus der objectiven Ruhe des Darstellung heraustreten und uns subjectiv gleichfalls zu diesen Anschauungen bekennen. Dies geschähe, wenn man sagte: „Entschieden ablehnend, und zwar mit Recht stand er etc ---“ Was meinst Du dazu? Bitte, umgehend eine Zeile darüber. Blankenberg möchte die Rede bald dann in 1000 Exempl. Hergestellt werden, 60 Lehrer, 350 Schüler, unzählige Freunde u.s.w. - D. Ob.

Bemerkung: Max Bruch

Objekteigenschaften: Handschrift

Pfad: Max-Bruch-Archiv / Korrespondenz

DE-611-HS-4312091, http://kalliope-verbund.info/DE-611-HS-4312091

Erfassung: 12. Januar 2026 ; Modifikation: 12. Januar 2026 ; Synchronisierungsdatum: 2026-01-12T13:25:26+01:00