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Brief von Max Bruch an Ernst Rudorff Musikwissenschaftliches Institut Köln Max-Bruch-Archiv Signatur: Br. Korr. 154, 630
Brief von Max Bruch an Ernst Rudorff Musikwissenschaftliches Institut Köln ; Max-Bruch-Archiv
Signatur: Br. Korr. 154, 630
Bruch, Max (1838-1920) [Verfasser], Rudorff, Ernst (1840-1916) [Adressat]
28.09.1907. - 12 Seiten, Deutsch. - Brief
Inhaltsangabe: Trauerfeier, Marteau, Moser / MB als Akademie-Vizepräsident in der Nachfolge von Joachim („Gernsheim ginge nicht“ – als Jude?) Streit um Trauerfeier, Chor: Schulze gibt nach, es es sei alles ein Mißverständnis, MB willigt ein: „Ich habe dem fliehenden Feind goldene Brücken gebaut und ihm ungefähr Folgendes geschrieben: „... Hätte er sich also am 23/9 auch nur annähernd so präcise ausgedrückt, wie in seinem Schreiben vom 26/9, so wäre ein solches Mißverständnis ausgeschl. gewesen ... es sei mir erfreulich, nun auch in dieser Sache, wie in so vielen (!!) mit ihm einig zu sein.“ Aber von Schulze keine Information zu Termin und Unterredung mit dem Hofmarschall Graf Eulenburg. Aber MB sieht auch als positive Seite: Schulze „hat gesehen, daß wir, Du und ich (denn wir Beide standen ja in der Chorfrage ihm einmüthig gegenüber) uns nicht von ihm das Fell über die Ohren ziehen lassen, wie Joachim das leider 38 Jahre lang gethan hat!“ MB zitiert einen Lexikoneintrag zu Schulze, der auch in der Hochschulbibliothek nachzulesen ist: „Ad. Schulze, ein Schullehrer, der es verstanden hat, sich in die H.H.Sch. einzudrängen, wohin er gar nicht gehörte.“ [vgl. auch Reissmann, Musikalisches Conversations-Lexikon. 9. Berlin 1878, S. 182] Marteau: - Moser hat noch nicht auf die briefliche Anfrage von MB geantwortet: „Offenbar hat Herr Moser am Sterbebett Joachims, hinter dem Rücken des Directoriums, eine Intrigue eingefädelt, die uns theuer zu stehen kommen kann. ... Dieser Kerl (Moser) ist überhaupt ein Brechpulver. Als Spieler ist er so schlecht, daß jedesmal, wenn es sich im Quintett um die II. Bratsche handelte, die Andern energische protestirt haben; Joachim aber hatte, seit Moser ihn biographisch ein- und abgeschlachtet hatte, einen Narren an ihm gefressen und sagte jedesmal: ‚Ach, er ist doch ein so braver Mensch, laßt ihn doch mitspielen!“ So erzählte mir Hausmann, der mich Mittwoch besuchte, ganz niedergedrückt und tief melancholisch über die gesammte Situation.“ ER schlägt einen Nichtmusiker als neuen Direktor vor: „Deine Anregung bezügl. des Grafen Hochberg giebt zu denken; aber, Lieber, es ist stets ein undankbares Geschäft, unerbetenen Rath zu ertheilen - und nun gar unserem Decernenten, der sich uns gegenüber bei aller persönlichen Liebenswürdigkeit zugeknöpft wie möglich zeigt! Einstweilen möchte ich mich also lieber noch zurückhalten – auch um mir Ad. Schulze gegenüber keine Blöße zu geben; denn bisher hat nur er im Namen und Auftrag des Direct. mit Schmidt verhandelt. Indessen – vielleicht wünscht Schmidt selbst gelegentlich mich zu sprechen. “ Eugenio di Pirani „(ein unausstehlicher gelackter Affe, der schon früher versuchte, sich an mich heranzudrängen)“ möchte 1) dass seine Klavier-Etüden in der Hochschule eingeführt werden, 2) den Professoren-Titel. „Ich habe ihm gesagt, das sei Deine Sache“ Akademie-Wahl – MB als Vizepräsident: „Am 30/9 soll in der Akad. der Vice-Präsident gewählt werden (an der Stelle von Joachim). Unsere Section hat mich dermaßen bedrängt, ich möge gestatten, daß sie mich aufstellten, daß ich endlich Ja gesagt habe – da die Stellung im Wesentlichen nur decorativer Natur ist, und Arbeit kaum damit verbunden. Koch, der im Auftrag der Section mit mir verhandelte, sagte im Vertrauen, sie hätten keinen Andern – Gernsh. ginge nicht, X. Scharwenka ebenso wenig etc. etc. Wenn aber unsere Section Niemanden präsentire, so würde das Recht, die Stelle des II. Präsidenten zu besetzen, den Musikern verloren gehen. Was wollte ich also machen - ich mußte schließlich einwilligen, wenn auch nicht freudigen Herzens. Denn ich habe solche Ehren nie gesucht und suche sie auch jetzt nicht! Montag von 6-7 ½ sind ein paar Sitzungen, dann kommt der Minister, und es erfolgt die Uebergabe des Präsidiums an A. Kampf (Rheinländer, aus Aachen, wird als Maler sehr gerühmt.) Dem Schönredner Otzen weine ich keine Thräne nach.“Joachim, Joseph (1831-1907) [Erwähnt], Hausmann, Robert (1852-1909) [Erwähnt], Schulze, Adolf (1835-1920) [Erwähnt], Moser, Andreas (1859-1925) [Erwähnt], Marteau, Henri (1874-1934) [Erwähnt], Hochberg, Bolko, Graf von (1843-1926) [Erwähnt], Pirani, Eugenio di (1852-1939) [Erwähnt], Koch, Friedrich Ernst (1862-1927) [Erwähnt], Schmidt, Felix (1848-1927) [Erwähnt], Gernsheim, Friedrich (1839-1916) [Erwähnt], Scharwenka, Xaver (1850-1924) [Erwähnt], Otzen, Johannes (1839-1911) [Erwähnt], Kampf, Arthur (1864-1950) [Erwähnt]
Königliche Akademische Hochschule für Musik in Berlin zu Charlottenburg (1902-1918) [Behandelt]
Bemerkung: Max Bruch
Objekteigenschaften: HandschriftPfad: Max-Bruch-Archiv / Korrespondenz
DE-611-HS-4312078, http://kalliope-verbund.info/DE-611-HS-4312078
Erfassung: 12. Januar 2026 ; Modifikation: 12. Januar 2026 ; Synchronisierungsdatum: 2026-01-12T12:30:30+01:00
