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Brief von Max Bruch an Ernst Rudorff Musikwissenschaftliches Institut Köln Max-Bruch-Archiv Signatur: Br. Korr. 154, 608
Brief von Max Bruch an Ernst Rudorff Musikwissenschaftliches Institut Köln ; Max-Bruch-Archiv
Signatur: Br. Korr. 154, 608
Bruch, Max (1838-1920) [Verfasser], Rudorff, Ernst (1840-1916) [Adressat]
30.06.1907. - 8 Seiten, Deutsch. - Brief
Inhaltsangabe: Transkription: M.L. Dieser letzten Tage Qual war so gross, dass ich gestern zu müde war, um Dir noch über die letzte Senats-Sitzung zu berichten. Also: 1) Vervielfältigung des Verzeichnisses und Vertheil. a. d. Mitglieder. Mit wahrhaft niederschmetternder Eloquenz habe ich ihnen bewiesen, dass dies aus 101 Gründen nicht angehe; ich habe mich geradezu geweigert, dem Ministerium und der Akademie gegenüber die Verantwortung für eine solche Behandlung einer so sehr secreten Angel. zu übernehmen. Sie fügten sich denn auch ganz gutwillig und ohne viele Widerreden. Es soll jetzt nur auf dem Tisch des „Hauses“ gelegentlich ein Exemplar des Verz. zur Einsicht für die Mitgl. aufgelegt werden. Dies wäre also bestens erledigt. 2) Sie haben, nachdem ich ihnen alles auseinandergesetzt hatte, Alle zugestimmt, daß der Bericht an den Minister unterzeichnet werden soll: Der Senat, I.V. Dr. M.B. Also auch das wäre glücklich erreicht! – 3) Deinen Zusatz (nach „Cosi fan tutte“) fanden sie sehr gut, namentlich Krebs rühmte ihn sehr. / und ich finde ihn ganz ausgezeichnet. / Somit wurde die Einfügung dieses sehr wichtigen Zusatzes in das Mscrpt einstimmig beschlossen. 4) Mit der jetzigen Fassung der Bemerkungen (II) über die Choräle waren sie jetzt fast Alle einverstanden; nur Humperdinck machte noch in seiner netten bescheidenen Weise darauf aufmerksam, dass Wolfrum selbst in Bd. I bei verschiedenen Choralbearbeit. ausdrücklich bemerkt habe: „Ausgeglichene Form“. Ich erwiederte, dass dies auch uns, Dir und mir, bekannt sei. Die Sache ist nun die, daß wir vielleicht in gewissem Sinne offene Türen einstossen, wenn wir hier sehr energische für die sogenn. „ausgeglich. Form“ eintreten, - da auch die Herren Archaisten selber anscheinend diese Form der Melodie nicht perhorresciren; sie drucken sie wenigstens im V.L.B. Bd. I hier und da neben den alten, historischen Formen ab. – Auch der jetzige Ausdruck, dass J. S. Bach die Choräle „übernommen“ habe, ist zwar jetzt angenommen worden, aber mir genügt es noch immer nicht; denn alles Verdienst fällt jetzt im Grunde Bach’s Vorgängern zu, und er selbst tritt ganz in den Schatten. Ich finde aber schlechterdings kein ergänzendes Verbum zu „übernommen“ / und muss sagen, dies ist die einzige Stelle in unserem ganzen Elaborat wo wir m.E. keinen ganz festen Boden unter den Füssen haben! / und überlasse es Dir ob Du vielleicht noch eins findest! – Ich lasse mir das ganze Mscrpt nochmals zurückgeben und sende es Dir morgen (Montag) Abend eingeschrieben zu. Mach dann damit, was Du willst, d.h. sieh zu, bitte, ob sich vielleicht in II (Choräle) durch ein paar Worte unsere Stellung noch präciser und unanfechtbarer gestalten lässt. Meine Weisheit ist zu Ende, und ich bin überaus froh, dass ich jetzt endlich die Sache los bin. Viel darfst Du natürlich nicht mehr ändern, weil der Bericht schon so wie er ist, genehmigt wurde. – Donnerstag früh ( am 4/7) reise ich zunächst nur bis Minden, Westfalen, wo ich ca. 14 Tage bleiben will. (Adr. Des Kgl. regierungspräsidenten Herrn Dr. Kruse). Ich denke, vom 4.-20. Juli. Damm will ich auf ein paar Tage nach Berlin zurück, um nach Joachim zu sehen, (der mir durchaus nicht gefällt); geht es ihm leidlich, so reise ich dann weiter nach Oberhof (Thüringen), Adresse Frau König, Prinzenstrasse, - bis 1. Sept. – Solltest Du gegen den 20. Juli noch hier sein, so besuche ich jedenfalls draussen. – Mittwoch den 3. Juli von 10-12 bin ich zum letzten Mal in der Schule /um mit Blankenberg zu conferiren /; solltest Du gleichzeitig dort sein, so gieb durch Hut, Schirm oder Gummischuhe ein deutliches Zeichen. Ich werde in Deinem Zimmer nachsehen! – Dein stets getreuer M. Bruch.Wolfrum, Philipp (1854-1919) [Erwähnt], Humperdinck, Engelbert (1854-1921) [Erwähnt], Krebs, Carl (1857-1937) [Erwähnt], Kruse, Francis (1854-1930) [Erwähnt], Joachim, Joseph (1831-1907) [Erwähnt], Blankenberg [Erwähnt]
Königliche Akademische Hochschule für Musik in Berlin zu Charlottenburg (1902-1918) [Behandelt]
Bemerkung: Max Bruch
Objekteigenschaften: HandschriftPfad: Max-Bruch-Archiv / Korrespondenz
DE-611-HS-4311773, http://kalliope-verbund.info/DE-611-HS-4311773
Erfassung: 9. Januar 2026 ; Modifikation: 9. Januar 2026 ; Synchronisierungsdatum: 2026-01-09T09:27:22+01:00
