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Brief von Max Bruch an Ernst Rudorff Musikwissenschaftliches Institut Köln Max-Bruch-Archiv Signatur: Br. Korr. 154, 588
Brief von Max Bruch an Ernst Rudorff Musikwissenschaftliches Institut Köln ; Max-Bruch-Archiv
Signatur: Br. Korr. 154, 588
Bruch, Max (1838-1920) [Verfasser], Rudorff, Ernst (1840-1916) [Adressat]
02.06.1907. - 8 Seiten, Deutsch. - Brief
Inhaltsangabe: Transkription: M. L. In letzter Zeit warst Du für mich wieder einmal in einer Versenkung verschwunden, wie der Geist von Hamlets Vater, und Du warst abscheulich genug mir keine Adresse anzugeben, ich konnte Dich also leider nicht erreichen, und kam in Folge dessen in der vorigen Woche nicht so vorwärts, wie ich wünschte. Nun schreibt mir aber Dein Sohn, der Dr. Rudorff (Gratuliere ihm, sehr erfreut!) / oder hat er den Dr. jur. schon seit einiger Zeit? / dass Du gestern Abend zurückerwartet werdest, und ich eröffne daher sofort wieder ein energisches Bombardement auf Dich. Also: 1) Glaubst Du das der Schluss so geht? Ich sollte denken, ja! Hierbei sende ich Dir das Mscrpt des ganzen Begleitschreibens; lies es, bitte, im Zusammenhang, und sage mir dann bei der Rücksendung, wie Du über den jetzigen Schluss denkst. Soll man den Zusatz machen „event, unter Mitwirkung des Senates“, oder nicht? 2) Die Partitur von Euryanthe, Iphig. In Aulis, Zauberflöte, Cosi fan tutte habe ich mir genau angesehen, und kräftige Worte über diese abscheulichen Verballhornisierungen gesagt. Reinecke, der all‘ das verübt hat, scheint doch jetzt, mit 83 Jahren (!) ganz altersschwach und völlig urtheilslos zu sein. Ich habe dem französischen Originaltext des schönen, rührenden Chors aus Iphigenie i. A. „Que d’attraits!“ etc. die elende, unterlegte Poesie von Reinecke’s ff Bearbeitung (!!!) gegenübergestellt; die wenigen Haare, die man noch hat, sträuben sich dabei! – Iphigenie in Tauris will ich mir noch in der H.Sch. ansehen; ich besitze die Partitur nicht. 4) Es hat sich herausgestellt, dass wir zu viele Kategorien gemacht haben; sie lassen sich nicht alle gehörig ausfüllen, die letzten bleiben ziemlich leer – vielleicht weil Wolf und Kahn ihre Aufmerks. mehr auf die beiden ersten gerichtet haben. Auch bemerke ich jetzt, bei der sehr mühsamen Nachprüfung von Wolf’s und Kahn’s Arbeiten, dass sich die ganz schlimmen Fehler und die etwas weniger schlimmen, aber immer noch scheusslichen nicht genug auseinander halten lassen. Ebenso ist zu bedenken, dass in die erste Kategorie nur 10-12 Citate kämen; das ist zu wenig, und hier würde natürlich Geh. Rath Schmidt einhaken und sagen: “Was sind so wenige unter 600-700 Liedern?!“ Ich bin also der Meinung dass man die I. und II. Kategorie zusammenlegen sollte, und sagen: I. Bearbeitungen, in denen mit Absicht und Bewusstsein grobe Verstösse gegen den reinen Satz vorkommen, und solche, die ungeschickt, nachlässig und dilettantisch sind. (Das giebt zusammen einen recht ansehnlichen Haufen, der sogar einem Geh. Rath imponiren kann!) II. Verfehlte Bearbeitungen protestantischer Choräle von archaistischen Gesichtspunkten aus. III. Verfehlte, künstlerisch nicht zu rechtfertigende Bearbeitungen und Ummodelungen von Chören mit Orchester, Opernstücken, Märschen, Klavierstücken etc. IV. Bearbeitungen die durch zu grosse Künstlichkeit und Ueberladung im Widerspruch etc. etc. Von einer besondern Kategorie für das Triviale würde ich absehen; denn der Begriff ist unbestimmt und dehnbar, - was dem Einen als trivial erscheint, rühmt der Andere als echt volksmässig. Wir haben da keinen festen Boden unter den Füssen. – Lass bald von Dir hören! Dein getr. M. Bruch.Rudorff, Hermann (1877-1916) [Erwähnt], Reinecke, Carl (1824-1910) [Erwähnt], Wolf, Leopold Carl (1859-) [Erwähnt], Kahn, Robert (1865-1951) [Erwähnt], Schmidt, Felix (1848-1927) [Erwähnt]
Bemerkung: Max Bruch
Objekteigenschaften: HandschriftPfad: Max-Bruch-Archiv / Korrespondenz
DE-611-HS-4311681, http://kalliope-verbund.info/DE-611-HS-4311681
Erfassung: 8. Januar 2026 ; Modifikation: 8. Januar 2026 ; Synchronisierungsdatum: 2026-01-08T15:28:38+01:00
