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Brief von Max Bruch an Ernst RudorffMusikwissenschaftliches Institut KölnMax-Bruch-ArchivSignatur: Br. Korr. 154, 552

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Brief von Max Bruch an Ernst RudorffMusikwissenschaftliches Institut Köln ; Max-Bruch-Archiv

Signatur: Br. Korr. 154, 552


Bruch, Max (1838-1920) [Verfasser],Rudorff, Ernst (1840-1916) [Adressat]

24.12.1906. - 8 Seiten, Deutsch. - Brief

Inhaltsangabe: Transkription: Nr. 1 M. L. In Bezug auf die Brahms’schen Briefe möchte ich Folgendes sagen: Im Spätherbst d. J. fragte mich Dr. W. Altmann, Kgl. Bibliothekar (nebenbei mus. Referent bei der Nationalzeitung), ein wohlgesinnter Mann, ob ich Briefe von B. hätte und sie ihm und Simrock für den II. Band der Sammlung geben würde. Ich bejahte dies, sah nach, und fand 6 Briefe von B, (aus den Jahren 1868, 69, 70, 84, 86 und 94), die sich ohne Auslassungen zur Publication eigneten. Meine Tochter schrieb sie ab, und ich übergab die Abschriften vor 3-4 Wochen dem Dr. Altmann. Er hatte auch den Wunsch nach Einfügung meiner Briefe an B. ausgesprochen. Nun habe ich zwar dieselbst (16-17 Stück) 6 Jahre nach Br’s Tode, 1903 (!!) sämmtlich zurückerhalten, sie sind aber verlegt, und ich konnte sie trotz eifrigen Suchens bis jetzt nicht wiederfinden. Zum Verständniß der Brahms’schen Briefe sind sie nicht unbedingt nöthig; und im Uebrigen müßte das Interessanteste aus Rücksicht auf noch lebende Personen gestrichen werden. Ich erinnere mich z.B. daß ich ihm Ende der sechziger Jahre, als er noch zu kämpfen hatte und die aufrichtige Sympathie Mitstrebender nicht so hochmüthig ablehnte wie später, wiederholt über Auff. des Deutschen Requiem ind Leipzig und Köln berichtete, und dabei Hiller und Reinecke nicht immer loben konnte. Nun, Hiller ist todt, Reinecke lebt aber noch, und hat sich mir stets im langen Lauf der Jahre als größter Freund erwiesen; es soll also weder jetzt noch später jemals ein Wort von mir gegen ihn gedruckt werden. Wenn er sich damals nicht gleich in diese Art von Musik finden konnte und sich etwas skeptisch verhielt, so waren hieran zum Theil die übereifrigen Brahmsianer schuld, die wie die Wagnerianer mit der Unduldsamkeit und dem Fanatismus einer religiösen Secte vorgingen / und Reinecke fortwährend lästerten und heruntersetzten. / Wie gesagt, damals konnte Br. Zuweilen noch ganz menschlich sein, - später wurde er hochmüthig und stachelich; z.B. in Breslau 1886 war er so niederträchtig, daß ich ihm geradezu entgegentreten mußte. 7 Jahre lang, bis 1893 bestand dann gar kein Verhältniß zwischen uns, weil ich es gründlich satt hatte, mich von ihm en canaille behandeln zu lassen. Durch meine Frau (die er gerne mochte und vor der er Respect hatte, weil sie sich von ihm keinerlei Unverschämtheiten / z.B. häßliche Worte, hämische Witze etc. / gefallen ließ und ihm gelegentlich ganz gehörig heimleuchtete!) – also durch m. Frau kam 1893, als ich mit ihr zum Fest des Wiener M. Ges. V. in Wien war, eine Art von Aussöhnung zu Stande, d. h. man sah sich wieder, und er nahm sich so weit zusammen, daß wenigstens ein modus vivendi gefunden wurde. Ferner ist ein langer Brief von mir aus dem Sommer 1870 vorhanden (kurz vor dem Krieg). Ich hatte damals in Sondershausen dummer Weise, viel zu früh, gekündigt, und er fragte bei mir an, wie die Verhältnisse seien – er denke daran, mein Nachfolger zu werden. Eine amüsante Vorstellung – Brahms Hofkapellmeister in Sondershausen! Ich habe ihm darauf eingehend geantwortet, der Brief könnte aber nicht gedruckt werden, auch wenn ich ihn fände, weil der Fürst und die Fürstin noch leben (damals waren sie noch das Erbprinzliche Paar – er das größte pecus campi auf Gottes Erdboden, sie stolz u. bigott.) Seine Anfrage wegen Sondershausen lasse ich natürlich drucken – warum nicht! Das ist doch sehr interessant und verwunderlich. Aber meine Antwort war eine ganz vertrauliche, und darf auch jetzt noch nicht gedruckt werden. – Ich möchte nun fragen: Willst Du mich autorisiren, den Dr. Altmann und H. Simrock zu benachrichtigen, daß Du eine Anzahl sehr interessanter Briefe hast und bereit wärest sie herzugeben, falls Dir die Einfügung der Deinigen zugesagt wird? Ich glaube, daß sie mit beiden Händen zugreifen würden! – Dein getr. M. Bruch

Bemerkung: Max Bruch

Objekteigenschaften: Handschrift

Pfad: Max-Bruch-Archiv / Korrespondenz

DE-611-HS-4311473, http://kalliope-verbund.info/DE-611-HS-4311473

Erfassung: 7. Januar 2026 ; Modifikation: 7. Januar 2026 ; Synchronisierungsdatum: 2026-01-12T18:09:25+01:00