Detailinformationen
Brief von Max Bruch an Ernst Rudorff Musikwissenschaftliches Institut Köln Max-Bruch-Archiv Signatur: Br. Korr. 154, 538
Brief von Max Bruch an Ernst Rudorff Musikwissenschaftliches Institut Köln ; Max-Bruch-Archiv
Signatur: Br. Korr. 154, 538
Bruch, Max (1838-1920) [Verfasser], Rudorff, Ernst (1840-1916) [Adressat]
01.11.1906. - 9 Seiten, Deutsch. - Brief
Inhaltsangabe: Transkription: Lieber Freund, Ich konnte Joachim in der letzten Zeit nicht allein sprechen, war auch wegen Erkältung ein paar Tage nicht in der Schule. Morgen reise ich auf 3 Tage nach Minden, zur Silberhochzeit meines Freundes des Reg. Präs. Kruse und seiner Frau, geb. Zanders. Montag Abend bin ich zurück, und werde dann am 6/11 mit Joachim wegen Ueberlassung einer Orchesterstunde reden. Die Ballade einmal wieder zu hören, wäre sehr schön und sehr erwünscht; aber ich würde es doch vielleicht für richtiger halten, die beiden Stücke, Eckbert und Ballade, auf 2 Stunden zu vertheilen. Eckbert ist nicht leicht, eine Stunde müßte wenigstens daran studirt werden, und im Theil der Probe würde man dann (aus Rücksicht auf Joachims Ansichten und Wünsche / die ich von früher her kenne) lieber irgend ein älteres Meisterwerk spielen lassen: denn wenn er auch gelegentlich einen Theil der Orch.Stunde einem der angestellten Lehrer zum Probiren eigener Sachen bereitwillig und kollegialisch abtritt, so hält er doch andererseits stets darauf, daß daneben die Schüler an älteren, bekannten Werken lernen, damit Niemand sagen könne, der vorwiegend pädagogische Zweck dieser Uebungne werde verletzt zu Gunsten der privaten Interessen einzelner Lehrer. Mein Vorschlag ist also: Eckbert jetzt, und die Ballade in ein paar Monaten – sobald sich wieder Gelegenheit bietet. Im Uebrigen geschehen die wunderbarsten Dinge. Vorigen Dienstag kommt Joach. zu mir in mein Zimmer und sagt mir, im Ministerium seien sie anscheinend noch nicht entschlossen, v. Eyken’s Entlass.Gesuch anzunehmen; wie ich über eine eventuelle Wiederanstellung des v. E. bei uns (!!) dächte? Ich denke, der Schlag soll mich rühren, und frage Joach. höchst betreten, was denn eigentlich los sei? Da kam dann heraus, daß der alte Liliencron aus Schleswig, zum Händelfest in Berlin, im Ministerium seinen schwerwiegenden Einfluß (er ist ja Schwiegervater des Finanzministers!!) zu Gunsten einer Wiederanstellung des v.E. geltend gemacht hat, und daß das Minist. zwischen uns und Herrn von L. schwankt wie - - -!! Und der famose v .E., der erst vor 4 Wochen seine Entlass. Eingereicht hat, scheint jetzt ganz lustig und munter durch seinen alten Protector seine Wiederanstell. zu betreiben! Ich sagte Joachim (der sich einmal wieder hatte breitschlagen lassen!) mit den größten Ernst, die Wiederanst. sei ganz ausgeschlossen, es ginge aus den verschiedensten Gründen durchaus nicht, ich müsse ernstlich dagegen protestiren und wolle unter keinen Umständen abermals mit einem Menschen von dieser Beschaffenh. arbeiten. Joach. schien dann auch wieder mit Allem, was ich sagte, völlig einverstanden zu sein, und verpflichtete sich mir gegenüber meine Anschauungen zur Kenntnis des Geh. Raths Schmidt zu bringen. Damit aber bei der großen Gefahr der Lage ja nichts versäumt werde, so schrieb ich selbst gestern Abend noch an den Geh. Rath Schmidt – wahrscheinlich nicht ganz so „liebenswürdig“ wie Joachims mündlicher Bericht vielleicht war, aber dafür um so deutlicher – wenn auch selbstverständlich mit vollkommener Wahrung der dem Decernenten gegenüber gebotenen Höflichkeit. Ich erwarte jetzt, daß wir zu einem amtlichen Bericht aufgefordert werden. Darin würde dann alles zur Sprache kommen, und wir würden auch noch die Acten beilegen, aus denen sich ergiebt, welch ein undisciplinirter Lehrer er war. – Diesen alten Liliencr. soll der Teufel holen!! – Dich aber nicht, lieber Freund. Ich bin eben daran, Eckbert und Ballade einmal wieder genau durchzusehen. Dein tr. M. Bruch. P.S. Montag den 5. Novbr. Abends kehre ich aus Minden hierher zurück; vielleicht finde ich dann ein paar Zeilen von Dir? D. Ob.Joachim, Joseph (1831-1907) [Erwähnt], Kruse, Francis (1854-1930) [Erwähnt], Kruse, Margarethe (-1917) [Erwähnt], Eyken, Heinrich van (1861-1908) [Erwähnt], Rheinbaben, Georg von (1855-1921) [Erwähnt], Liliencron, Rochus von (1820-1912) [Erwähnt], Schmidt-Ott, Friedrich (1860-1956) [vermutlich] [Erwähnt]
Königliche Akademische Hochschule für Musik in Berlin zu Charlottenburg (1902-1918) [Behandelt]
Bemerkung: Max Bruch Bezug zu Ernst Rudorffs Ballade (Introduction, Scherzo u. Finale) op. 15
Objekteigenschaften: HandschriftPfad: Max-Bruch-Archiv / Korrespondenz
DE-611-HS-4311436, http://kalliope-verbund.info/DE-611-HS-4311436
Erfassung: 7. Januar 2026 ; Modifikation: 16. Januar 2026 ; Synchronisierungsdatum: 2026-01-16T18:00:24+01:00
