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Brief von Max Bruch an Ernst Rudorff Musikwissenschaftliches Institut Köln Max-Bruch-Archiv Signatur: Br. Korr. 154, 530
Brief von Max Bruch an Ernst Rudorff Musikwissenschaftliches Institut Köln ; Max-Bruch-Archiv
Signatur: Br. Korr. 154, 530
Bruch, Max (1838-1920) [Verfasser], Rudorff, Ernst (1840-1916) [Adressat]
09.01.1902. - 5 Seiten, Deutsch. - Brief
Inhaltsangabe: Transkription: M. L. Hier kommt auch Nala und Damajanti. Der erste Entwurf stammt schon aus dem Jahr 1886, und in diesen 15-16 Jahren bin ich immer wieder auf den Stoff zurückgekommen; er ließ mich nicht los! – Eine Fülle schöner, aber auch kleinlicher und spielender Details habe ich unterdrücken müssen, auch waren manche Motive gar nicht zu brauchen. So verliert z. B. (im Epos) der König Nala im Spiel Thron und Reich – das geht nicht! – Im II. Theil wird die Karawane von einer Herde wilder Elephanten zertrampelt; ein Motiv, welches sich jedenfalls für Rich. Strauss‘ realistische Kunst besser eignet als für mich! Du siehst, was ich an die Stelle gesetzt habe. – Am Schluß fährt der König, bei dem Nala unerkannt als Rosselenker dient, zur „Gattenwahl“ Damajanti’s, u. Nala ist nur sein Werkzeug; dann muß Nala erst manche Probe bestehen (genau wie Odysseus bei Homer) bevor ihn Damajanti erkennt und anerkennt. Du siehst, was ich aus all diesem unbrauchbaren Hin- und Her gemacht habe, indem ich Nala in den Mittelpunkt der ganzen Scene setzte und sie nun in stürmischem Gang dem Höhepunkt (dem Wiedersehen) entgegenführte. – Nur ein platter und beschränkter Erz-Teutone (davon es freilich heute manche giebt!) könnte sagen: „Dieser Indische Stoff liegt uns zu fern.“ Ich sage dagegen: Alles wahrhaft Menschliche und alle wahre Poesie liegen uns immer nah; und dieser Stoff ist wahrlich in Poesie getaucht; ja, in den Waldscenen blüht sogar deie blaue Wunderblume unserer Deutschen Romantik, und diese ganze Empfindungsweise liegt uns eigentlich viel näher als die des classischen Alterthums – wie denn auch in der Ethik der Indier sich die überraschendsten Berührungspunkte mit dem Christenthum ergeben. Alles Weiter mündlich! Leider wird es mir nun doch nicht möglich sein, Sonntag, den 12. Jan, Vormittags zu kommen, da ich unaufschiebbarer Dinge wegen(wie sich heute herausstellt) nach der Stadt muß. Aber bald! Immer Dein getr. M. B.Bemerkung: Max Bruch
Objekteigenschaften: HandschriftPfad: Max-Bruch-Archiv / Korrespondenz
DE-611-HS-4310943, http://kalliope-verbund.info/DE-611-HS-4310943
Erfassung: 2. Januar 2026 ; Modifikation: 2. Januar 2026 ; Synchronisierungsdatum: 2026-01-02T16:54:17+01:00
