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Brief von Max Bruch an Ernst Rudorff Musikwissenschaftliches Institut Köln Max-Bruch-Archiv Signatur: Br. Korr. 154, 517
Brief von Max Bruch an Ernst Rudorff Musikwissenschaftliches Institut Köln ; Max-Bruch-Archiv
Signatur: Br. Korr. 154, 517
Bruch, Max (1838-1920) [Verfasser], Rudorff, Ernst (1840-1916) [Adressat]
21.10.1901. - 7 Seiten, Deutsch. - Brief
Inhaltsangabe: Transkription: M. L. Gleichzeitig sende ich Dir einen Artikel der Nationalzeitung (wahrscheinlich aus der Feder Oettinger’s), aus dem Du mit grenzenlosem Staunen u. mit größter Empörung entnehmen wirst, in welcher Weise sich irgend eine Preußische Behörde an dem Gebäude der Akademien der Künste u. der Wissenschaften versündigt hat. Angesichts dieser Barbarei, dieser unerhörten Mißachtung beider Akademien, fühlt man sich wirklich in die Zeite Friedr. Wilh’s I zurückversetzt. Nachdem wir 200 Jahre lang mit den Kgl. und Kaiserl. Pferden zusammengehaust haben, sollen wir nun noch ca. 5 Jahre lang mit Bierwirthschaften, Stehbierhallen, Ladengeschäften, Althändlern, Kleiderjuden etc. einträchtig unter einem Dach hausen. Dieser Zustand ist einfach unmöglich; sollte er wirklich und in der That mit Billigung der Regierung noch 5 Jahre andauern, so würden wir u. der Preuß. Staat zum Gespött der ganzen Welt! Daß wir uns sehr ernsthaft und nachdrücklich beschweren müssen, scheint mir ganz außer aller Frage zu stehen; aber bei wem? Und welche Behörde sollen wir anklagen? Unser Ministerium hat jedenfalls gar nichts mit der Sache zu thun; die barbarische Maßregel kann nur von den Ministeriums des Kgl. Hauses, oder (da das Gebäude dem „Fiscus“ gehört, einem gefräßigen Ungeheuer) vom Finanz-Ministerium ausgegangen sein. / Herrn von Miquel haben wir sie vielleicht zu verdanken / Um jetzt, nach der Räumung der Ställe, durch anderweitige Beutzung während der nächsten 5 Jahre schnell noch eetwas für den Staat herauszuschlagen, hat man die freigewordenen Räume für die Lumperei von 20.000 M. auf 5 Jahre an Bierwirthe etc. vermiethet, u. dadurch die allergewöhnlichsten Gesetze des Anstandes gegen beide Akademien gröblich und schmählich verletzt. Bist Du nun damit einverstanden, daß wir, Du und ich, in der nächsten Sitzung des Senats (sei es nun Ges. Senat oder Mus. Senat) die Sache vor Eintritt in die Tagesordnung zur Sprache bringen? Wir werden sehen, wie die Stimmung ist und was wird. Beweist uns aber Herr Adolf Schulze, (eine heuchlerische, unkünstlerische, schweifwedelnde Bedientennatur) wie immer in solchen Fällen, daß „nichts zu machen sei“, daß wir uns ducken und auch dies hinnehmen müssen – und fallen ihm Joach. und die andern ängstlichen Seelen zu – so lege ich mein Amt als II. Vorsitzende des mus. Senats und der Genossenschaft nieder u. komme auch nicht mehr in die Sitzungen; denn mit Bierwirthen und anderm Gesindel will ich nicht dort zusammenwohnen. – Schick mir, bitte, die Zeitung zurück; ich will sie auch Meyerheim senden und ihn zu einem ähnlichen Vorgehen im Ges.Senat veranlassen. Stets Dein getr. M. Bruch.Joachim, Joseph (1831-1907) [Erwähnt], Schulze, Adolf (1835-1920) [Erwähnt], Miquel, Johannes von (1828-1901) [Erwähnt], Meyerheim, Paul Friedrich (1842-1915) [Erwähnt]
Königliche Akademische Hochschule für Musik (1869-1902) [Behandelt]
Bemerkung: Max Bruch Öttinger (Nationalzeitung)
Objekteigenschaften: HandschriftPfad: Max-Bruch-Archiv / Korrespondenz
DE-611-HS-4310919, http://kalliope-verbund.info/DE-611-HS-4310919
Erfassung: 2. Januar 2026 ; Modifikation: 2. Januar 2026 ; Synchronisierungsdatum: 2026-01-02T14:46:44+01:00
