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Brief von Max Bruch an Ernst RudorffMusikwissenschaftliches Institut KölnMax-Bruch-ArchivSignatur: Br. Korr. 154, 514

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Brief von Max Bruch an Ernst RudorffMusikwissenschaftliches Institut Köln ; Max-Bruch-Archiv

Signatur: Br. Korr. 154, 514


Bruch, Max (1838-1920) [Verfasser],Rudorff, Ernst (1840-1916) [Adressat]

28.04.1901. - 8 Seiten, Deutsch. - Brief

Inhaltsangabe: Simrock, Situation Fritz und Hans - ER möchte 5 Werke an Hans Simrock verkaufen.Transkription: Es bedarf nicht der Versicherung, lieber Freund, daß ich mit Freuden bereit bin in dieser Angelegenheit Dein Interesse wahrzunehmen. Bevor ich aber directe Schritte thue, möchtge ich Dir den augenblicklichen Stand der Dinge bei Simrock’s in Kürze schildern; er ist sehr unerfreulich und sehr unsicher. Hans Simrock, der Neffe, ist seit dem 1. Jan. d. J. nicht mehr bloß Procurist, sondern Theilhaber, und in kleinen Dingen ziemlich selbständig; dagegen konnte er bis jetzt in wichtigen Dingen ohne die ausdrückliche Genehmigung des Onkels nicht selbständig vorgehen. Die Dispositionen des Letzteren sind aber schon seit einiger Zeit so unklar undf verworren, daß sie zum Theil gar nicht, zum Theil nur mit großer Einschränkung befolgt werden können – wodurch dann nach und nach eine fast unmögliche Situation entstanden ist. Der alte S. ist 1) schon seit Jahren sehr von Gicht geplagt, 2) leidet er am Herzen und an Verkalkung der Arterien (ein hoffnungsloses Uebel) und 3) zeigt sich bei ihm seit einigen Monaten das hereditäre Uebel seiner Familie, Melancholie, verbunden mit ganz bestimmten Wahn-Vorstellungen, (Verarmungswahn und Unwürdigkeitswahn), bei denen nach Lage der Sache eine günstige Rückentwicklung fast ausgeschlossen ist. Er trinkt nur Wasser, weil er sich einbildet, selbst den billigsten Wein nicht mehr bezahlen zu können – er sieht die Seinen am Bettelstab, (während die Verhältnisse die denkbar glänzendsten sind) etc. etc. Bei alledem hat er aber, wie schon gesagt, bis vor Kurzem noch nicht darauf verzichte, auf den Gang des Geschäfts Einfluß zu nehmen. Er ist seit 4 Monaten in der Nervenheilanstalt (eigentlich Irrenheilanstalt) des Dr. Biswanger in Constanz (Baden), wo seine Frau ihm treu zur Seite steht und sich in dieser unbeschreiblich traurigen Situation fast aufreibt. Ich werde nun, wenn Du zustimmst, Mittwoch d. 1. Mai in einer Conferenz, die ich wegen anderer Dinge mit Hans S. habe, auch Deine Angelegenheit zur Sprache bringen – glaube aber kaum, daß bei dieser ganz exceptionelle Lage der Dinge jetzt schon ein bestimmte Antwort von ihm zu erlangen sein wird. Denn es handelt sich immerhin um ein ziemlich großes Geschäft, - und ein solches allein abzuschließen, hat er m.W. jetzt noch nicht das formelle Recht. / aber vielleicht bald – denn so kann es nicht mehr lange weitergehen. / Soll ich nun unter diesen Umständen die Sache zur Sprache bringen (unter Vorlegung Deines Briefes an mach), oder soll man noch warten? – Herzlichst Stets Dein alter M. Bruch. Ist Hans genöthigt, dem Onkel zu berichten, so ist eine kurze Ablehnung fast mit Sicherheit zu erwarten; denn, abgesehen von allem Andern, (den Erinnerungen an die bitterste Zeit seines Lebens, wo ihn Alle verließen) bildet er sich ja jetzt ein, gar kein Geld mehr zu haben, und deßhalb geschäftlich nichts mehr unternehmen zu können. D. Ob. In der Nationalztg wurde wiederholt, mit der bührenden warmen Anerkennung, Deiner Publication über Carl Maria erwähnt.

Bemerkung: Max Bruch

Objekteigenschaften: Handschrift

Pfad: Max-Bruch-Archiv / Korrespondenz

DE-611-HS-4310900, http://kalliope-verbund.info/DE-611-HS-4310900

Erfassung: 2. Januar 2026 ; Modifikation: 2. Januar 2026 ; Synchronisierungsdatum: 2026-01-02T13:25:49+01:00