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Brief von Max Bruch an Ernst RudorffMusikwissenschaftliches Institut KölnMax-Bruch-ArchivSignatur: Br. Korr. 154, 512

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Brief von Max Bruch an Ernst RudorffMusikwissenschaftliches Institut Köln ; Max-Bruch-Archiv

Signatur: Br. Korr. 154, 512


Bruch, Max (1838-1920) [Verfasser],Rudorff, Ernst (1840-1916) [Adressat]

29.03.1901. - 6 Seiten, Deutsch. - Brief

Inhaltsangabe: Transkription: Mein lieber Freund, Dank für Deine gestrigen Zeilen. Meine letzte Karte an Dich warf ich Dienstag Mittag um 1 Uhr hier in den Kasten; da sie nur erst Mittwoch Morgen gegen 10 bei Dir eingetroffen ist, so war sie von Friedenau nach Lichterfelde nicht weniger als 21 Stunden unterwegs!! Es scheint mir demnach, daß die Post sich / wenigstens in den Vororten / seit dem Tode des genialen Stephan sehr vereselt hat / Manches Andere hat sich auch vereselt seit Wilh. I., Bismarck etc.!! / (wie der richtige Berliner sagt). Nun, es ist ja auch so gegangen, - ohne daß Du gleich zu Anfang da warst. Es war zwar eine harte Sache, mit diesem Sch. wieder in einem so wenig zahlreichen Kollegium zusammenzusitzen; aber das Bewußtsein, Deinen und Joachims dringenden und berechtigten Wunsch und auch eine unabweisliche Pflicht zu erfüllen, half mir einigermaßen über die deprimirende Empfindung hinweg, keinerlei Satisfaction von dem Menschen erhalten zu haben. Anders aber lag die Sache heute; ich konnte es schlechterdings nicht über mich gewinnen, schon jetzt wieder meinen Sitz in demselben Lehrer-Kollegium einzunehmen, vor dem er mich so sehr beschimpft hat - ohne vor diesem selben Lehrer-Koll. Irgend eine befriedigende Erklärung von ihm erhalten zu haben. Da eine solche überhaupt nicht von ihm zu erlangen ist, u. da ich mich doch nicht mit ihm schießen kann, so muß nun doch Jeder den Eindruck haben u. behalten, daß Herr Sch. sich an der Hochschule ungestraft alles erlauben darf – selbst gegen seinen Specialkollegen vom Directorium. – Unter diesen Umständen bin ich der heutigen Lehrer-Conferenz unter einem Vorwand (Gesundheit) ferngeblieben, habe Franz Schulz von unserer Abth. mit meiner Vertretung beauftragt und Blankenburg mein Stundenglas geschickt. Also wird man mich bei dieser interessanten Anhörung nicht allzu sehr vermißt haben. Herzlichst Dein M. Bruch. P.S. Uebrigens geht es mir wirklich bei der eisigen Luft nicht gut; und nach diesem, auch für mich schlimmen Winterhabe ich allen Grund, mit meinem Hals vorsichtig zu sein. – Mir ist leider der Eindruck geblieben, daß sich Joachim in dieser Sache Schulze gegenüber wieder einmal schwach gezeigt hat. Wenn er nicht bloß Director heißen, sondern es auch sein wollte, so mußte er es am 9. März gar nicht so weit kommen lassen, sondern von seinen directorialen Befugnissen Gebrauch machen – Sch. sofort unterbrechen, und die ganze Affaire sofort todtmachen. Von alledem that er nichts, sondern er machte nur einen schwächlichen Versuch, der nach Lage der Sache mißlingen mußte. – Die alles unter uns! M. B. Ich mit Ad. Schulze jetzt in rührender Eintracht auf einem Bilde – das ist zum Schießen!!

Bemerkung: Max Bruch

Objekteigenschaften: Handschrift

Pfad: Max-Bruch-Archiv / Korrespondenz

DE-611-HS-4310881, http://kalliope-verbund.info/DE-611-HS-4310881

Erfassung: 2. Januar 2026 ; Modifikation: 19. Januar 2026 ; Synchronisierungsdatum: 2026-01-19T09:41:55+01:00