Detailinformationen
Brief von Max Bruch an Ernst Rudorff Musikwissenschaftliches Institut Köln Max-Bruch-Archiv Signatur: Br. Korr. 154, 286
Brief von Max Bruch an Ernst Rudorff Musikwissenschaftliches Institut Köln ; Max-Bruch-Archiv
Signatur: Br. Korr. 154, 286
Bruch, Max (1838-1920) [Verfasser], Rudorff, Ernst (1840-1916) [Adressat]
05.06.1910. - 6 Seiten, Deutsch. - Brief
Inhaltsangabe: Transkription: Für Deine letzten freundl. Zeilen aus Anlaß der Auff. meiner Suite für Orchester und Orgel hätte ich Dir längst danken sollen; aber die Gluthitze dörrt mir das Hirn aus, ich habe gar keine Gedanken mehr und bin ganz dumm. Dies Werk wäre ohne Capri nicht entstanden; Die Charfreitags-Procession am 1. April 1904, eine herrliche Mondscheinnacht auf dem Mittelländischen Meer u.s.w. – das alles wirkte sehr stark auf mich und verlangte einen musikalischen Ausdruck. Ueberschriften habe ich aber nicht gemacht! – Die I. Sinf. von Schumann war aber durchaus nicht so schlimm, wie man Dir gesagt hat. Kauffm. hatte sich, wie ich bezeugen kann, sehr viel Mühe gegeben, die tempo waren richtig (nur das Andante ein wenig verschleppt), und das Orchester spielte mit schönem jugendlichem Schwung. Diese Sinfonie und die Deinige am 18. Januar d. J. waren ohne Frage Kauffmann’s beste Directionsleistungen, und so war dann sein Abgang gar nicht übel. Am 31. Mai verabschiedete er sich von mir. Er hat die Sache vollständig satt, und würde auch ohne die Berufung von Hess nicht geblieben sein; „Die ganze Art, wie Kretzschmar die Dinge betreibt, sei ihm zu unangenehm und unsympathisch.“ Mir auch! Dieser Mensch macht einen Mißgriff nach dem andern und hat in den 9 Monaten seit dem 1. Oct. 1909 die Schule schon dermaßen heruntergebracht, daß kein Hunde mehr ein Stück Brot von uns nimmt. Und das geht nun immer so fort. Die Chorstimmen von Messias und vom Mozart’schen Requiem solltest Du einmal sehen; in jeden Takt des Halleluja (!!) hat er lächerliche Zeichen hineingeschmiert - ( und ), und cresc. und mf. und ff etc. Der A Cappella-Chor besteht gar nicht mehr. Waren früher beide Chöre zusammen, so sangen 80 Soprane; jetzt noch – 24! – 26 Geiger sind abgegangen, Hess hat daher meistens gar keine Schüler! Uebrigens will Hess Dich sehr bald besuchen. Ich kündige am 1. Oct. und nehme für das Wintersemester „aus Gesundheitsrücks.“ Urlaub. Mit dem halte ich es nicht länger aus. PS Ich habe Kretzschmar zu oft entgegentreten müssen, das hat er dann doch übel vermerkt. Er wollte in artistische Angeleg. der Abtheil. eingreifen, das habe ich zurückgewiesen. Dann wollte er die Freitagsübungen des Orchesters oft für Directions-Uebungen ungeschickter Schüler benutzen; da habe ich ihm geschrieben, das Orchester habe Anspruch darauf von tüchtigen und erfahrenen Dirigenten geleitet zu werden, es solle lernen und wolle lernen; und er werde den ganzen Zweck der Orchesterstunden vernichten, wenn etc. etc. Darauf ist er auch hier, wie immer, zurückgewichen - beehrt mich aber seitdem mit seinem stillen Haß! Nachdem die Suite schon fertig studiert war, wollte er sie auf einmal absetzen – obschon sie schon einmal, im März, abgesetzt worden war; das habe ich abgelehnt, und darauf bestanden, daß der Beschluß des Direct. vom 12. April betreff. die Suite, ausgeführt werde. Natürlich kam er am 28/5 nach der Suite gar nicht zum Vorschein. Sehr collegialisch u. sehr freundlich! Dafür lass ich ihn morgen, wenn der Hof kommt, allein krabbeln u. kümmere mich um nichts mehr.Kauffmann, Fritz (1855-1934) [Erwähnt], Heß, Willy (1859-1939) [Erwähnt], Kretzschmar, Hermann (1848-1924) [Erwähnt]
Königliche Akademische Hochschule für Musik in Berlin zu Charlottenburg (1902-1918) [Behandelt]
Bemerkung: Max Bruch Bezug zu Suite für Orchester und Orgel op. 88b
Objekteigenschaften: HandschriftPfad: Max-Bruch-Archiv / Korrespondenz
DE-611-HS-4307070, http://kalliope-verbund.info/DE-611-HS-4307070
Erfassung: 4. Dezember 2025 ; Modifikation: 16. Januar 2026 ; Synchronisierungsdatum: 2026-01-16T17:16:20+01:00
