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Brief von Max Bruch an Ernst Rudorff Musikwissenschaftliches Institut Köln Max-Bruch-Archiv Signatur: Br. Korr. 154, 205
Brief von Max Bruch an Ernst Rudorff Musikwissenschaftliches Institut Köln ; Max-Bruch-Archiv
Signatur: Br. Korr. 154, 205
Bruch, Max (1838-1920) [Verfasser], Rudorff, Ernst (1840-1916) [Adressat]
Friedenau, 27.02.1912. - 5 Seiten + Zeitungsausschnitt (Fidelio in Brüssel), Deutsch. - Brief
Inhaltsangabe: Transkription: F., 27/2 12 M. L. Du hast wohl schon früher einen brieflichen Purzelbaum von mir über die unbegreifliche Verballhornisirung des Fidelio durch Gevaert erwartet. Ich steckte aber zu sehr in Arbeit aller Art; dazu kam der plötzliche Tod meines Schwagers v. Ankert in Wien (Mann von Else Tuczek, der kleinen zierlichen Geigerin, die bei Tante Augusta Leo wohnte und 1897 heirathete) - und die Vorbereitungen zur Abreise meiner Tochter nach Rom. (Eben haben wir ihr am Anhalter Bahnhof Lebewohl gesagt.) Auch dachte ich die Gevaert’schen und andere Gräuel und 200-300 andere Dinge mündlich mit Dir zu besprechen; meine Frau möchte aber gerne mitkommen, und war doch bisher durch die oben erwähnten Dinge immer zu sehr praeoccupirt; also muß leider! immer wieder geschoben werden! - Gevaert war im Uebrigen ein ganz vernünftiger Mann, ein guter Musiker, und ein gelehrtes Haus. Ich kannte ihn 1865 in Paris sehr gut, aß bei ihm, und erfreute mich seiner Förderung. Er lieh mir damals die Partituren von Gretry’schen Opern, die ich noch nicht kannte (Richard Coeur de lion, le tableau parlant, Guill. Tell – ca. 40 Jahre vor Rossini – höchst amüsant – etc. etc.) Er hatte viel mit dem französ. Theater zu thun, es ist daher möglich, daß er schon damals gewisse unaustehliche Unarten der Franzosen angenommen hat, die keine ausländische Oper so lassen können, wie sie ist. Der Freischütz („Le robin des bois“), Oberon, Zauberflöte, Don Juan wurden Jahrzehnte lang zu Paris in geradezu barbarischen Verballhornisirungen gegeben. Erst Hect. Berlioz (im Journal des Débats) trat entschieden gegen den Unfug auf und erreichte ziemlich viel. – M. Tochter wohnt in Rom bei unserer alten deutsch-englischen Freundin Frl. Harry Herz im Palazzo Zuccati. Das ist die ehemalige Casa Bartholdy, in der die „Nazarener“ Cornelius, Veit, Overbeck etc. al fresco die berühmten Bilder aus der Geschichte Josephs malten. 1904 spielte ich in demselben Saal mit Teresina Tua mein I. V.Concert! – Dein tr. M. B. P.S. Da Dein Zeitungsausschnitt hier gerade mit dem Faschingsblatt der Münchener „Neuesten Nachrichten“ zusammentraf, so hielt ich die ganze Gevaert’sche Sache Anfangs thatsächlich für einen Carnevalspaß; da aber auf der Rückseite lauter ganz ernsthaft gemeinte Pferde-Anzeigen stehen, und gar nichts Canevalistisches, so mußte ich wohl im Ernst an G’s ungeheure Blamage glauben. – Es ist wohl ein landwirthschaftliches Blatt? D. Ob.Gevaert, François-Auguste (1828-1908) [Erwähnt], Bruch, Margarete (1882-1963) [Erwähnt], Hertz, Henriette (1846-1913) [Erwähnt], Tua, Teresina (1867-1955) [Erwähnt], Berlioz, Hector (1803-1869) [Erwähnt], Grétry, André-Ernest-Modeste (1741-1813) [Erwähnt], Leo, Augusta [Erwähnt]
Bemerkung: Max Bruch
Objekteigenschaften: HandschriftPfad: Max-Bruch-Archiv / Korrespondenz
DE-611-HS-4305650, http://kalliope-verbund.info/DE-611-HS-4305650
Erfassung: 27. November 2025 ; Modifikation: 16. Januar 2026 ; Synchronisierungsdatum: 2026-01-16T14:39:13+01:00
