Detailinformationen
Brief von Erich Mühsam an Redaktion des Bamberger Tagblatts, 04.08.1919 [d. 4. August 1919] Staatsbibliothek Bamberg Signatur: Autogr. M 96
Funktionen
Brief von Erich Mühsam an Redaktion des Bamberger Tagblatts, 04.08.1919 [d. 4. August 1919] Staatsbibliothek Bamberg
Signatur: Autogr. M 96
Mühsam, Erich (1878-1934) [Verfasser], Redaktion des Bamberger Tagblatts [Adressat]
Festungsgefängnis Ebrach, 04.08.1919 [d. 4. August 1919]. - 1 Brief, eigenhändig, 2 Doppelblätter (3 Seiten, Papier, Tinte, einseitig), 22,1 x 14,1 cm, Deutsch. - Brief
Inhaltsangabe: Erich Mühsam (1878-1934) war als Mitglied des Münchner Arbeiterrates beim Putschversuch am 13. April 1919 von der republikanischen Schutztruppe ergriffen worden. Anlässlich des soeben beendeten Gerichtsprozesses gegen Mühsam berichtete das "Bamberger Tagblatt" am 2. August 1919 (85. Jahrgang, No 175, Seite [3]) über einen früheren Prozess gegen ihn. Im Jahr 1909 soll der "Edelanarchist" mit einer "Höllenmaschine" versucht haben, das Münchner Rathaus in die Luft zu sprengen, weswegen ihm ein Hochverratsprozess gemacht worden sei. Im Prozess habe sich durch ein Gutachten die "völlige Unschädlichkeit" der Sprengstoffschleuder herausgestellt, der Staatsanwalt habe Mühsams "Geisteszustand" angezweifelt und deshalb mildernde Umstände erbeten. Das Gericht habe "bei dem Geisteszustand des Angeklagten" dann aber sogar "auf Freisprechung" geurteilt "und setzte Herrn Mühsam alsbald wieder auf freien Fuß, worauf von Giesing bis Schwabing ein befreiendes Lachen ging". Mühsam schreibt daraufhin aus dem Gefängnis Ebrach am 4. August 1919 eine "Berichtigung". Er lehnt die Bezeichnung "Edelanarchist" ab und betont, dass er damals nicht wegen Hochverrats, sondern wegen "Geheimbündelei" angeklagt worden war. Mühsam stellt klar, dass die "Höllenmaschine" niemals existiert habe und dass der Staatsanwalt durch den vollständigen Zusammenbruch der Anklage selbst einen Freispruch beantragt habe. Auch das Gericht habe erkannt, dass "keinerlei strafbare Handlung nachgewiesen werden" könne. Außerdem habe es auf Mühsams Antrag festgestellt, dass "die Beschaffenheit meines Geisteszustands in keinem meiner Prozesse je Gegenstand der Anzweiflung oder Erörterung von irgendeiner Seite gewesen ist". Mühsams Berichtigung erschien im "Bamberger Tagblatt" am 7. August 1919 (85. Jahrgang, No 179, Seite [3]).Schuster, Anton (1850-1929) [Vorbesitzer]
Bemerkung: Verfasser: Erich Mühsam ; Adressat: An die Redaktion des "Bamberger Tagblatts", Bamberg Ergänzung von späterer Hand mit Bleistift auf der Recto-Seite des ersten Blattes oben mittig: "von Herrn Schuster 1919 Dezember" (Anton Schuster, 1850-1929, Journalist und Heimatkundler in Bamberg). - Im April 2020 dem Konvolut Msc.Add.364(4 (Materialien zum Ersten Weltkrieg) entnommen
Material: Papier Wasserzeichen: ohne Wasserzeichen
Erwerbungsgeschichte: Provenienz: Anton Schuster (Dezember 1919)
Objekteigenschaften: HandschriftDE-611-HS-3582113, http://kalliope-verbund.info/DE-611-HS-3582113
Erfassung: 20. April 2020 ; Modifikation: 20. April 2020 ; Synchronisierungsdatum: 2025-09-19T11:13:55+01:00
