Detailinformationen
Brief von Rudolf Erich Raspe an Friedrich Nicolai, 09.04.1769 Münchhausen-Bibliothek Zürich Spezialsammlung R.E. Raspe
Brief von Rudolf Erich Raspe an Friedrich Nicolai, 09.04.1769 Münchhausen-Bibliothek Zürich ; Spezialsammlung R.E. Raspe
Raspe, Rudolf Erich (1736-1794) [Verfasser], Nicolai, Friedrich (1733-1811) [Adressat]
Caßell, 09.04.1769. - 1 Brief (4 Seiten) mit eigenhändiger Unterschrift, Deutsch. - Brief
Inhaltsangabe: Zusammenfassung: Raspe schreibt über seinen fachlichen Streit mit Christian Adolf Klotz. Ausserdem bittet Raspe, dass Nicolai sich um die Dichterin Anna Luisa Karsch (die Karschin) kümmern möge. Schliesslich thematisiert Raspe die Protestantischen Universitäten. Transkript (o. Apparat): Caßell. d. 9. Apr. 1769. Ew. HochEdelgeboren geneigte Zuschrift vom 25ten vorigen Monaths habe ich richtig erhalten und ersehe ich daraus gern, daß Sie meine hartnäckige Entschließung den Herrn K. fortrasen zu laßen nicht misbilligen. Eine algemeine Verachtung wird die natürliche Strafe Seine[r] Niederträchtigkeit werden, denn würklich er läßt nichts unversucht um sie sich übern Hals zu ziehen, und sie wird ihn treffen wenn unsre gantze Nation sich seinetwegen nicht vereinigt alles moralische Gefühl abzulegen und blindlings an den neuen Propheten in Israel zu glauben, welches dann die Folge lehren wird. Ich lege im Anschlus eine Anzeige der Robinetschen Uebersetzung der Winkelmannischen G.d.K. bei. Sie hätten sie eher bekommen wenn ich nicht in den lezten vierzehn Tagen das Frühlingsübel in so hohen Grade hätte empfinden müßen, daß ich selbst dieses noch im Bette schreiben mus. Ins Künftige soll es hurtiger und besser gehen. (Seite 2) Könten Sie mir durch Herrn Cramer oder die fahrende Post von Leipzig aus sowol von Ihrer Bibl. als der Klotzi schen das (korr. aus: die) neueste (korr. aus: n) Stück(korr. aus: e) nebst andern merkwürdigen Neuigkeiten zukommen lassen, so würden Sie mich sehr dadurch verbinden. Es komt alles so spät zu uns daß es nicht zu sagen ist. Auf das Sulzersche Wörter buch der schönen K.u.W. bin ich besonders neugierig. Ich denke dies wird doch einmahl ein Wörterbuch seyn aus dem sich ein System machen läßt. Sonst bedekt die alphabetische Ordnung die natürliche Blöße der Schriftsteller, die nur zusammen- schreiben nicht denken. Ihre Madame Karschin ist ja ganz verstumt, oder vielmehr die Kunstrichter sind es, die sie sonst bis an den Himmel hoben. Es mus hier etwas zum Grund liegen was entweder dem Character unsrer Sappho oder ihrer Richter keine Ehre macht. Beides thäte mir leyd. Sie ist immer Ein vortrefliches Genie, das man sich selbst nur nicht ganz überlaßen müßte. Ich habe mir wol eher vorgestellt, daß ein dramatisches Stück von ihr behandelt sehr Shakespearisch ausfallen müßte, sobald man ihr nemlich Plan und Charaktere vorgeschrieben. (Seite 3) Ihre Klage bei Kleists Grabe, ihr Lied auf der Königin von Engelland Seefarth und auf das Gewitter bestäti- gen mich in diesen Gedanken. Nehmen Sie sich doch Ihrer an. Die teutsche Muse hat auf ihre (gemeint: Ihre) fortdauernde Freundschaft ein Recht, wie nur jede Schöne die man aus freien Stücken liebte ein Recht darauf hat wenn man auch gleich aufgehört haben solte ihr Liebhaber zu seyn. Daß uns Herr Wieland näher und nun in Erfurth ist, ist mir lieb. Mögte er dort nur beständig so wol seyn als ichs ihm wünsche - aber zu einen ewigen beständigen Frieden sind mir dort zu viele und noch dazu streitbahre schöne Geister auf einen Platze versamlet. Ich empfehle mich Ihrer [st]eten Gewogenheit und Freundschaft und bin Dero ergebenster RERaspe. Dem Raisonnement über die protestantischen Universitäten, wovon [a]llen Anschein nach der Hofr. Michaelis Profeßor ist, laßen Sie ja alle [Ge]rechtigkeit wiederfahren. Es ist eines der wichtigsten [Verlust?] [treff]lichsten Bücher die seit langer Zeit geschrieben worden; (Seite 4) zwar nicht für den Universitäts-Profeßor aber für einen Minister der Universitäten zu stiften, einzu- ziehen und zu regieren hat. Es wird ja doch endlich einmahl eine Zeit kommen, da man das ekelhafte Schul- und Klostermäßige Unwesen auf den Universitäten einsehen und abändern wird. (Wasserzeichen, gebogener Schriftzug: Schwacher Abdruck des ovalen Siegels im leeren unteren Teil auf Seite 4)Klotz, Christian Adolf (1738-1771) [Behandelt], Karsch, Anna Luise (1722-1791) [Behandelt]
Bemerkung: Eingangsvermerk, von fremder Hand, d.h. Nicolai: 5 May [1769], Gegenbrief, Vermerk: von fremder Hand: 8 Jun bwt, Ist Antwort auf: Brief Nicolai's vom 25. März 1769. - Vollständige Transkription einschließlich Apparat bei Institution erbitten.
Objekteigenschaften: HandschriftPfad: Spezialsammlung R.E. Raspe
DE-611-HS-2101911, http://kalliope-verbund.info/DE-611-HS-2101911
Erfassung: 4. September 2013 ; Modifikation: 4. September 2013 ; Synchronisierungsdatum: 2025-09-19T12:32:20+01:00
