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Stammbuch eines unbekannten Ansbacher KünstlersStaatsbibliothek BambergSignatur: JH.Autogr.15(1 und JH.Autogr.15(2

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Stammbuch eines unbekannten Ansbacher KünstlersStaatsbibliothek Bamberg

Signatur: JH.Autogr.15(1 und JH.Autogr.15(2


Ansbach, Wien, 1710-1715. - 125 Blätter sowie 5 weitere in separater Mappe; enthält 16 Stammbucheinträge, 14 x 18,5 cm, Latein Deutsch Französisch Italienisch Rumänisch. - Dokument, Stammbuch

Inhaltsangabe: Auf Blatt 1r handschriftliche Notiz des Bibliothekars Friedrich Leitschuh: "Ansbacher Stammbuch aus dem Jahre 1710.".Blatt 18r-106r:16 Stammbucheinträge, die mindestens 17 fehlenden (von mindestens 22 herausgetrennten) Blätter lassen vermuten, dass es ursprünglich weitere Einträge gab.Die 9 Einträge aus Ansbach enstanden alle zwischen dem 11. und 13.08.1710, bevor der erste Eintrag aus Wien vom 26.08.1710 datiert. Es scheint daher, dass das Stammbuch zum Abschied aus Ansbach angelegt wurde. Die zahlreichen eingebundenen Blätter aus blauem und braunem Papier zeigen, dass es für das Sammeln zahlreicher auf diesen Papieren anzufertigender Zeichnungen und Malereien gedacht war. Wenn auch nur zwei Kreidezeichnungen auf einem blauen Papier noch erhalten sind, so zeigt doch das Fehlen von 3 blauen und 7 braunen Blättern, dass diese Zeichnungen oder Malereien aufwiesen, weswegen sie herausgetrennt wurden. Teilweise sind auf den benachbarteten Blättern noch deutliche Abklatsche dieser Zeichnungen vorahnden.Es wurden folgende mindestens 22 Blätter herausgetrennt, zumeist sind (geringe) Reste des Blattes im Falz noch erkennbar:vor Blatt 1 fehlt das fliegende Blatt, welches aus einem Buntpapier bestand, das mit dem ersten Blatt der ersten Lage verklebt wurde(die weiteren fehlenden Blätter sind hier jeweils mit einem Exponent a bezeichnet, der die Zählung des unmittelbar zuvor befindlichen Blattes übernimmt:)Blatt 5a,Blatt 22a,Blatt 41a (braun),Blatt 43a (blau, auf 43v Abklatsch einer schwarzen Kreidezeichnung vorhanden, Motiv aber nicht erkennbar),Blatt 51a (braun, auf 51v Abklatsch einer schwarzen Kreidezeichnung vorhanden, Motiv aber nicht erkennbar),Blatt 53a (blau, auf 53v Abklatsch einer schwarzen Kreidezeichnung vorhanden, Motiv aber nicht erkennbar),Blatt 55a (braun),Blatt 58a,Blatt 59a (i.e. JH.Autogr.15(2,3, Eintrag des Johann Christoph Müller, Wien, 24.04.1713),Blatt 72a (i.e. JH.Autogr.15(2,1, Eintrag des Ansbacher Hofmalers Johann David Fillisch, ohne Ort [wohl Ansbach], ohne Datum [wohl 1710] mit einer Rötelzeichnung eines am Boden liegenden Puttos, auf 72v Abklatsch des Puttos deutlich erkennbar),Blatt 74a,Blatt 78a (i.e. JH.Autogr.15(2,2, Eintrag des Johann Martin Löhner[?], Wien, 08.04.1715 mit kolorierter Federzeichnung eines Festungswerkes),Blatt 89a (braun),Blatt 93a (braun, auf 93v Abklatsch einer schwarzen Kreidezeichnung vorhanden, hochrechteckiges Format, vermutlich ein stehender, an eine hohe, spitze Pyramide gelehnter Putto mit Blick nach links oben, mit einem Arm die Pyramide fassend, den anderen erhoben),Blatt 105a (braun, auf 105v Abklatsch einer schwarzen Kreidezeichnung vorhanden, ovales Porträt-Medaillon, vermutlich eine Frau, den Kopf auf einem Arm aufgestüzt),Blatt 110a (i.e. JH.Autogr.15(2,4, Anton Siebenhirter, Wien, 26.07.1711 mit lavierter Federzeichnung dreier sich balgender Putti),Blatt 112a (braun),Blatt 114a (blau),Blatt 115a,Blatt 118a (blau, i.e. JH.Autogr.15(2,5, Kreidezeichnungen mit Weißhöhungen, recto: antike Architekturfragmente, in Kartusche die Inschrift "Amicus Amico Alter Ego", verso: Dornenkrönung Christi, Abklatsche auf 118v und 119r deutlich erkennbar),Blatt 122a.Der Stammbuchhalter scheint in einem künstlerischen Umfeld beheimatet gewesen zu sein. Davon zeugt nicht nur die Anlage des Stammbuchs mit für Malereien und Zeichnungen vorgesehenen Blättern, sondern neben den Einträgen von Malern auch deiejenigen des Ansbacher (und späteren Eichstätter) Hofbaudirektoren Gabriel de Gabrieli (Blatt 74r; Ansbach, 13.08.1710) und des Hofkapellmeisters ("Capellæ Magister") Johann Christian Rau (Blatt 71r; Ansbach, 13.08.1710) sowie drei weitere Einträge mit Bezugnahme auf die (bildende) Kunst. Auf Blatt 59r zitiert Jacob Wilhelm Forster/von Forstern auf Herbsleben (Ansbach, 11.08.1710) einen Text über Maler und Bildhauer ("pictores fictoresq[ue]") aus dem Buch "De Pictura Veterum" (Libri III, Capitulum I) von Franciscus Junius dem Jüngeren (1591-1677). Auf Blatt 59ar (i.e. JH.Autogr.15(2,3) schreibt der aus Wöhrd bei Nürnberg stammende Wiener Kartograph Johann Christoph Müller (Wien, 24.04.1713): "[...] Vitam brevem esse, Artem longam; [...]". Auch der Eintrag des Ansbacher "Archi-Diaconus" Johann Jacob Beck (Blatt 69r; Ansbach, 11.08.1710) betont die Verbindung zur Kunst. Dieser bezeichnet sich selbst als "deßen bisheriger Beichtvatter" und den Stammbuchhalter als "gottsförchtig[...] und kunstreich [...]".Denkbar wäre es daher als Stammbuchhalter einen der Ansbacher Hofmaler beziehungsweise einen derer Söhne anzunehmen, welcher etwa um 1690 geboren sein müsste und 1710 zur Aus/-Weiterbildung nach Wien gegangen wäre. Möglich wäre etwa Johann Christoph Fillisch (Ansbach 1692-Ansbach 1742), Sohn des (kurzfristigen) Ansbacher Hofmalers Johann David Fillsch (Kempten 1657-Ansbach 1728). Letzterer versieht seinen Eintrag (Blatt 72a [i.e. JH.Autogr.15(2,1]: ohne Ort [wohl Ansbach], ohne Datum [wohl 1710]) immerhin mit den Worten "Ad memoriam" (zu Vater und Sohn siehe: Krieger, Martin: Die Ansbacher Hofmaler des 17. und 18. Jahrhunderts, Ansbach 1966, Seite 59-70 und 185-194). Ebenfalls als Stammbuchhalter möglich wäre Johann Gottfried Hopfer (um 1690-1740), Sohn des Ansbacher Hofmalers Sebastian Ludwig Hopfer (1649–1714). Gegen Johann Gottfried Hopfer spricht jedeoch, dass dieser ab 1714 mit Aufträgen in Ansbach (beziehungweise für Schloss [Unter-]Schwaningen) nachweisbar ist, während der Stammbuchhalter sich noch 1715 in Wien aufhielt (zu Vater und Sohn siehe: Krieger, Martin: Die Ansbacher Hofmaler des 17. und 18. Jahrhunderts, Ansbach 1966, Seite 51-58 und 170-184).Eine andere Möglichkeit wäre eine Identifizeriung des Stammbuchhalters über den Eintrag des aus Ansbach stammenden "Eques gallic[us]" Fridericus Ernestus de Rebondy/Friedrich Ernst von Rebondy (Blatt 86r; Ansbach, 13.10.1710). Dieser bezeichnet den Stammbuchhalter als "Informatoris sui". Am 16.04.1711 deponierte und immatrikulierte sich Friedrich Ernst von Rebondy an der Universität Jena gemeinsam mit dem ebenfalls aus Ansbach stammenden Andreas Ludwig Färber. Daher könnte letzterer mit dem Stammbuchhalter identisch sein, müsste dann aber als Jurist(?) ein passionierter Amateur-Künstler gewesen sein. Dieser These widerspricht allerdings der Umstand, dass der Stammbuchhalter sich sowohl zuvor als auch danach (bereits am 26.07.1711) in Wien aufhielt und das Stammbuch keinerlei Einträge aus Jena aufweist. (Biographisches zu Andreas Ludwig Färber: Getauft am 27.07.1690 in Ansbach als Sohn des "Infimus" bei der Lateinischen Schule Johann Friedrich Färber und der Anna Maria, geborene Wesel, 1711 immatrikuliert in Jena, 1731 Justizratssekretär in Ansbach, 1732 auch Hofratssekretär, gestorben am 23.01.1766 in Ansbach. [Quellen: Landeskirchliches Archiv der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Nürnberg, Kirchenbuch Ansbach, St. Johannis 1690; Staatsarchiv Nürnberg, Ansbachische Beamtenkartei, 1766.])Aus Wien stammen drei Stammbucheinträge von Siebenbürgern aus Schäßburg/Sighișoara und Herrmannstadt/Sibiu: Blatt 28r: Stefan Weingärtner "Schæssburgo-Transylvan[us]", Wien, 1710; Blatt 75r: Lucas Fabricius "Cӱbӱniensis Transӱ[...]", Wien, 26.08.1710 (die Jahreszahl als Chronogramm in "In anno In qVo ConCorDIaM tIbI opto") und Blatt 76r: Martin Regis "Cӱbinensis Transӱlvani[us]", Wien, 13.09.1710 (mit rumänischem Spruch sowie dessen Übertragung ins Deutsche).Bei dem "Hauptmann" Johann Martin Löhner["Löhnerss"?], (Blatt 78a [i.e. JH.Autogr.15(2,2], Wien, 08.04.1715 mit kolorierter Federzeichnung eines Festungswerkes) könnte es sich um den Sachsen-Gothaischen Wirtschaftshauptmann Johann Martin Löhner handeln, zu welchem sich im Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien eine Verlassenschaftsabhandlung von 1728 erhalten hat (AT-OeStA/HHStA HA OMaA 680-2959). Eventuell ist er identisch oder verwandt mit dem Johann Martin Löhner, Violonist und Kapelldiener der Fürstlichen Kapelle sowie Kammerdiener in Sachsen-Römhild (Goltz, Maren: Musiker-Lexikon des Herzogtums Sachsen-Meiningen (1680-1918), Meiningen 2008, Seite 210).

Literaturhinweise: Leitschuh, Friedrich/ Fischer, Hans: Katalog der Handschriften der Königlichen Bibliothek zu Bamberg. 2. Band, Die Handschriften der Helleriana, mit einer Einleitung: Joseph Heller und die deutsche Kunstgeschichte und dem Portrait Heller’s, Leipzig 1887, Seite 159; Taegert, Werner: Edler Schatz holden Erinnerns. Bilder in Stammbüchern der Staatsbibliothek Bamberg aus vier Jahrhunderten, Bamberg 1995, Seite 96-97.

Illustrationen: Blatt 18r: Wappen, in rotem Schild drei sechszackige Sterne (2:1), als Oberwappen nur eine goldene, siebenzackige, mit Perlen besetzte Krone (Freiherrenkrone), ob tatsächlich zur Familie Rodenberg gehörend ist unklar, da das Wappen nicht in den einschlägigen Wappenbüchern verzeichnet ist; Blatt 62r: flüchtige Skizze in schwarzem Rahmen, zentral vermutlich eine sitzende Frau mit geneigtem Kopf, Blick nach oben zu einem aus Wolken kommenden Putto; auf vier der noch vorhandenen herausgetrennten Blätter fünf weitere Zeichnungen: Blatt 72a, Johann David Fillisch: Rötelzeichnung eines am Boden liegenden Puttos, beschriftet "Ars longa Vita brevis"; Blatt 78a, Johann Martin Löhner[?]: kolorierter Federzeichnung einer Bastion eines Festungswerkes; Blatt 110a, Anton Siebenhirter: lavierte Federzeichnung dreier sich balgender Putti; blaues Blatt 118ar: Kreidezeichnung mit Weißhöhungen, antike Architekturfragmente, in Kartusche die Inschrift "Amicus Amico Alter Ego", blaues Blatt 118av: Kreidezeichnung mit Weißhöhungen: Dornenkrönung ChristiEinbandbeschreibung: Hellbrauner Schafslederband mit sparsamer Goldprägung; GoldschnittErhaltungszustand: mindestens 22 herausgetrennte Blätter, 5 davon (teilweise mit Zeichnungen) in separater Mappe

Erwerbungsgeschichte:Provenienz:Joseph Heller, Bamberg, bis 1849.

Objekteigenschaften: Handschrift

DE-611-HS-4313999, http://kalliope-verbund.info/DE-611-HS-4313999

Erfassung: 22. Januar 2026 ; Modifikation: 6. Februar 2026 ; Synchronisierungsdatum: 2026-02-06T16:18:47+01:00