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Brief von Max Bruch an Ernst Rudorff Musikwissenschaftliches Institut Köln Max-Bruch-Archiv Signatur: Br. Korr. 154, 605
Brief von Max Bruch an Ernst Rudorff Musikwissenschaftliches Institut Köln ; Max-Bruch-Archiv
Signatur: Br. Korr. 154, 605
Bruch, Max (1838-1920) [Verfasser], Rudorff, Ernst (1840-1916) [Adressat]
23.06.1907. - 3 Seiten, Deutsch. - Brief
Inhaltsangabe: Volksliederbuch – [Anmerkungen nach der Senatssitzung vom 22/6] Transkription: [Seitlich in Bleistift fast unleserliche Anmerkungen von ER] Zur frdl. Erwägung! (M. B.) 1) Die Choräle Auf eine eigentliche kunsthistorische Balgerei mit den Leuten können und dürfen wir uns nicht einlassen. Wir können aber so stark wie möglich ihrem historischen Standpunct gegenüber unseren musikalischen u. künstlerischen Standpunkt betonen; und so müssen wir doch m. E. schließlich, nolens oder volens, auf das Authentische in dieser Sache stärker hinweisen, als es geschehn ist. Aber so kurz wie möglich! Auch fehlt bisher ganz der Hinweis auf die rhythmisirten Choräle – eine wahrhaft unerträgliche Verbalhornerisirung der uns vertrauten Form der Melodie! 2) Der Zwischensatz am Schluß des Begleitschreibens: „... event.unter Mitwirkung des Senats“ ist gestern gestrichen worden. Ich weiß aber wirklich nicht, wie Koch und die Andern sich das denken; wer anders als der Senat könnte, bei einer event. III. Auflage, die schlechten Bearbeitungen hinausschmeißen?! Die alte Kommission wird es sicher nicht thun, und eine neue Kommission würde sich vielleicht ganz auf den Standpunkt der alten stellen! 3) Unser Minister, Studt, ist zurückgetreten – heute Morgen verkünden es die Blätter mit Triumphgeheul. Unser schönes Citat aus seiner Rede paßt nun nicht mehr, und ist zwecklos geworden; jedenfalls dürfte es bei Studt’s Nachfolger unserer Sache nicht nützen. Was thun wir? 4) Daß sämmtliche Senatoren eine Vervielfältigung des Fehlerverzeichnisses erhalten sollen, geht doch nicht: denn es eine sehr secrete Sache, und das Amtsgeheimniß wäre schlechterdings nicht zu wahren, wenn so viele dies Document besitzen. Diese meine Ansicht, (die Du jedenfalls theilst), werde ich am 28/6 nochmals nachdrücklich geltend machen; bestehen sie dann dennoch darauf, so muß ich die Entscheidung über die Behandlung der Sache dem Präsidenten Otzen anheimstellen. – 5) Krebs sagte, bei Gelegenheit des „Gebets“ aus Cosi fan tutte, aus heutigen weltlichen Volksliedern seien sehr oft durch Unterlegung anderer Worte, Aenderung des Tempo’s etc., schöne und ernsthafte geistliche Lieder geworden. Das ist nicht neu, und wir wissen es auch; hier ist aber m. E. der springende Punkt die Verstümmelung und Verballhornisirung eines bestehenden Kunstwerks – des Werkes eines der allergrößten Meisters. Hierin liegt die Barbarei, / und das ist eetwas ganz Anderes, als wenn es sich nur um ein paar Volkslieder handelt. / und hieraus nehmen wir die Berechtigung, den Fall zu urgiren. – Aber es muß schon an dieser Stelle des Verzeichnissen nachdrücklich betont werden, daß an die Integrität von Kunstwerken nicht gerührt werden darf / Merkwürdig, wie sich hier eigentlich alles zu Principienfragen zuspitzt!! - / am Schluß des berichts könnte man Einiges kürzen! – M.B.Koch, Friedrich Ernst (1862-1927) [vermutlich] [Erwähnt], Studt, Konrad (1838-1921) [Erwähnt], Otzen, Johannes (1839-1911) [Erwähnt], Krebs, Carl (1857-1937) [Erwähnt]
Kommission für das Deutsche Volksliederbuch [Behandelt]
Bemerkung: Max Bruch
Objekteigenschaften: HandschriftPfad: Max-Bruch-Archiv / Korrespondenz
DE-611-HS-4311769, http://kalliope-verbund.info/DE-611-HS-4311769
Erfassung: 9. Januar 2026 ; Modifikation: 9. Januar 2026 ; Synchronisierungsdatum: 2026-01-09T09:15:30+01:00
