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Brief von Max Bruch an Ernst RudorffMusikwissenschaftliches Institut KölnMax-Bruch-ArchivSignatur: Br. Korr. 154, 594

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Brief von Max Bruch an Ernst RudorffMusikwissenschaftliches Institut Köln ; Max-Bruch-Archiv

Signatur: Br. Korr. 154, 594


Bruch, Max (1838-1920) [Verfasser],Rudorff, Ernst (1840-1916) [Adressat]

12.06.1907. - 8 Seiten, Deutsch. - Brief

Inhaltsangabe: Beyschlag Ornamentik Probleme mit Kretzschmar und B&H / Musikdirektortitel für Bläsing / Konflikt mit Hülsen – Unterrichtsverbot für die Kammermusiker Eberhard (Oboe) und Weschke (Posaune), MB antisemitisch gegen Bernhard Dessau, vermutet Richard Strauss hinter der IntrigeTranskiption: M. L. Heute zur Abwechslung einmal nicht V.L.B., sondern einiges Andere!1) sende ich Dir hierbei einen Brief von B & H. an Beyschlag, woraus hervorgeht, daß sie das Werk welches der Senat Ihnen empfohlen hatte, noch Herrn Kretzschmar zur Prüfung vorgelegt haben; m.E. eine Unverschämtheit, die der Senat nicht so hingehen lassen dürfte. Nachdem wir das Werk geprüft hatten, war B & H jede wünschenswerthe Garantie für seine Vortrefflichkeit gegeben, und sie hatten wahrlich nicht nöthig, uns noch Herrn K. auf die Nase zu setzen. Uebrigens sagt mir Beyschlag, in dem betreff. Colloquium habe Herr K. absolut nichts Neues beizubringen gewußt. Die Voraussetzung von G. & H., Beyschlag habe nur die Berliner Bibliothek benutzt, ist lächerlich und fast beleidigend. Ich bin der Ansicht, daß der Senat (nachdem Beyschlag mir das Schreiben von B. & H. an ihn übergeben hat) in der Antwort auf ihre Honorar-Offerte – die nun 22/6 beschlosssen wird – seinen Standpunkt und seine Autorität wahren soll. Thun wir das nicht, so erleben wir, daß nächstens das Ministerium uns in der V.L.B.-geschichte auch den Kretzschmar als höhrere Autorität entgegenstellt! Der Senat darf und soll sich nichts mehr gefallen lassen. Wir müssen auch in diesem Falle bezügl. des Werkes, welches wir approbirt und übersandt haben, mit Entschiedenheit sagen: „Sit ut est, aut non sit“ und uns Zusätze und Veränderungen von anderer Seite verbitten. Auch eine Postkarte von Beyschlag an mich lege ich bei. Bitte sende mir bald alles zurück, und sage mir dann, wie Du denkst! – 2) Hatte der Senat sich vor einiger Zeit für die Verleihung des M.D.-Titels an Bläsing in Lichterfelde ausgesprochen, aber im Bericht den stärksten Accent auf seine allgem. und amtliche Thätigkeit gelegt. Das war nun offenbar Geh. Rath Schmidt zu wenig, denn jetzt kommt die Sache an uns zurück, mit dem ersuchen, uns auch „über die Kompos. des Bläsing zu äußern.“ Dieselben liegen wieder bei. Ich kann unter diesen Umständen nichts thun, als sie nochmals circuliren lassen, - Dich aber möchte ich bitten, mir etwas Näheres über diesen Bläsing zu sagen. Die Kompos. stehen doch im Ganzen weit höher als die gewöhnliche Organisten- und Kantorenmusik, die uns mit ihrer unasusprechlichen Talent- und Geistlosigkleit vernichten wird! – Joachim geht es besser, er liegt aber anhaltend und hustet noch viel. Das Quartett geht ohne ihn nach England (Klingler als II. Geiger). - Uns, d.h. der Hochschule, hat Herr von Hülsen einen schlimmen Streich gespielt: Er hat unter nichtigen Vorwänden dem Oboer, K.M. Eberhard, und dem Posaunisten K.M. Weschke verboten, ferner bei uns zu unterrichten; und wir fürchten, daß er dies abscheuliche Verbot, (welches ganz und gar den Charakter einer Chicane trägt) bald auch auf alle anderen Bläser ausdehnen wird. Er will sich an uns rächen , denn 1) hat er dem Senat höllisch übel genommen, daß er sich wiederholt gegen die Verleihung des Prof.-Titels an den Concertmeister Dessau (einen schäbigen Juden, mittelmäßigen Spielr, schlechten Charkter) ausgesprochen hat; und2) ist er wüthend, daß die Akad. d. K. Rich. Strauss stets abgelehnt hat; und 3) steckt dieser letztere Mensch hinter der ganzen Sache, wie ich höre! – Entzieht uns dieser Hülsen dauernd alle Bläser, so sind wir in einem großen und wichtigen Theil unserer Thätigkeit völlig lahmgelegt. Sobald Joachim so weit ist, müssen wir (event. bei ihm) eine Sitzung des D. abhalten und zusehen, was zu thun ist. – Eilig Dein getr. M. Bruch.

Bemerkung: Max Bruch

Objekteigenschaften: Handschrift

Pfad: Max-Bruch-Archiv / Korrespondenz

DE-611-HS-4311704, http://kalliope-verbund.info/DE-611-HS-4311704

Erfassung: 8. Januar 2026 ; Modifikation: 8. Januar 2026 ; Synchronisierungsdatum: 2026-01-08T15:55:40+01:00