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Brief von Max Bruch an Ernst Rudorff Musikwissenschaftliches Institut Köln Max-Bruch-Archiv Signatur: Br. Korr. 154, 592
Brief von Max Bruch an Ernst Rudorff Musikwissenschaftliches Institut Köln ; Max-Bruch-Archiv
Signatur: Br. Korr. 154, 592
Bruch, Max (1838-1920) [Verfasser], Rudorff, Ernst (1840-1916) [Adressat]
07.06.1907. - 4 Seiten, Deutsch. - Brief
Inhaltsangabe: Transkription: M. L. Deine treue und schnelle Hülfe hat mich diese Woche wesentlich gefördert. Was zunächst 1) Iphigenie i. Aulis (Reinecke) betrifft, so ist Reinecke’s willkürliches und pietätloses Verfahren wahrhaft haarsträubend! Ich war schon mit dem betreff. Artikel fertig, habe aber Deine Bemer. Auch im Wortlaut hinzugefügt. 2) Die Choral-Bearbeitungen. Deine Aenderungen waren sehr gut, und die etwas vorsichtigere Fassung der Kritik kann derselben nur nützlich sein und den Eindruck verstärken. – Wörtlich benutzt und schon in das Mscrpt eingetragen. 3) Kategorien. Drei derselben sind nun gehörig ausgefüllt, nur die 4te und letzte („Bearbeitungen, die durch zu grosse Künstlichkeit und Uebreladung in Widerspruch mit dem Wesen des unbegleiteten Männergesangs stehen.“) ist noch leer. Es fehlt auch hier nicht an Stoff, aber ich hatte inmitten aller ungeheuren Schreiberei noch keine Zeit meine Aufmerksamkeit besonders auf diesen Punkt zu richten. Ich möchte Dich also bitten, in den nächsten Tagen auf die Jagd zu gehen und mir die erlegten Marder, Wiesel und alles sonstige Raubzeug baldmöglichst zu schicken. - Mozart schrieb 3st. für M.Chor, dann wurde die Vierstimmigkeit Mode; jetzt schreiben Manche (wie z.B. von Othegraven) mit Vorliebe 6stimmig, und ich habe schon (ausserhalb dieser Sammlung) längere 8stimmige Stücke für M.Chor gesehen, und doppelchörige. Und das alles auf diesem engen Raum – wie sich die Stimmen treten, stossen und drängen, und gegenseitig geniren! / Diese ganze Schreibweise ist durchaus nicht musterhaft, und die Folge ist ein schlechter, dumpfer vocaler Gesamtklang! / Häufig erscheint auch im V.L.B. der II. Bass in kellertiefer Lage; wo man ihn früher nur ausnahmsweise orgelpunctartig aushalten liess, da behandeln (resp. misshandeln) ihn jetzt diese Leute als wäre dies das Gewöhnliche / lassen in der unergründlichen Tiefe immer aussprechen etc. / den II. Tenor führt Herr Hegar (überhaupt ein Haupthallunke!) bis zum tiefen h [Notenbeispiel] Ein reiner Unsinn! Den Fall habe ich im Verzeichnis monirt. Etc., etc!!! 4) Schumann (leider nur Robert!) Abendlied. Ausgezeichnet wörtlich eingetragen. Ausdrücke stark, aber nicht zu stark für diese unerhörte Vergewaltigung des Stücks! 5) Auf die Tagesordnung der betreff. Sitzung lasse ich diese Sache als Nr. 1 setzen. – Eilig Dein getr. M. BruchReinecke, Carl (1824-1910) [Erwähnt], Othegraven, August von (1864-1946) [Erwähnt], Hegar, Friedrich (1841-1927) [Erwähnt]
Königliche Akademische Hochschule für Musik in Berlin zu Charlottenburg (1902-1918) [Behandelt]
Bemerkung: Max Bruch
Objekteigenschaften: HandschriftPfad: Max-Bruch-Archiv / Korrespondenz
DE-611-HS-4311696, http://kalliope-verbund.info/DE-611-HS-4311696
Erfassung: 8. Januar 2026 ; Modifikation: 8. Januar 2026 ; Synchronisierungsdatum: 2026-01-08T15:40:19+01:00
